Aufregung um 60 Minuten Tirol Werbung fast ohne Film-Profis

Per Gewinnspiel sucht die Tirol Werbung die schönsten Sequenzen von Hobbyfilmern. Profis und Grüne sind empört.

Die Kampagne der Tirol Werbung mit dem Motto: „Es geht bergauf.“ Tirols Kreative beklagen, sie würden übersehen.
© Tirol Werbung

Von Alexandra Plank

Innsbruck – Ein Gewinnspiel der Tirol Werbung erhitzt derzeit die Gemüter. Hobbyfilmer können mit Aufnahmen des Landes als ersten Preis eine Woche auf einer Almhütte gewinnen (Wert: rund 3000 Euro). Das seien Peanuts in der Filmbranche, so Insider. Der grüne Landtagsabgeordnete Georg Kaltschmid machte auf Facebook seinem Ärger Luft: Die Bevölkerung werde aufgefordert, heimische Firmen durch ihren Einkauf zu unterstützen. Just die Tirol Werbung halte sich aber nicht daran: „Während viele professionelle Filmfirmen und Kameraleute, Werbefirmen und so weiter in Tirol um ihr Überleben kämpfen und um jeden Auftrag froh sind, sucht die Tirol Werbung Hobbyfilmer, die gratis ihr Material samt Rechten zur Verfügung stellen, um daraus einen Film zu machen.“ Zwar gebe es etwas zu gewinnen, aber von einem öffentlich finanzierten Unternehmen hätte er sich mehr Vorbildfunktion erwartet, stellt der Hotelier klar.

Auch in der Tiroler Filmszene herrscht Aufruhr, diese fühlt sich schon seit Jahren trotz internationaler Erfolge von der Tirol Werbung übersehen. Bernhard Holzhammer von der Firma Wildruf spricht von einem geschickten Schachzug, um mit wenig finanziellem Aufwand das eigene Archiv aufzustocken. Möglichst viele stimmungsvolle Eindrücke aus Tirol würden samt uneingeschränkter Rechte (inklusive Weitergabe an Dritte) für Hüttenurlaub, Ballonfahrt und 1000-Euro-Gutschein einkassiert. „Das wirkt in Corona-Zeiten wie der blanke Hohn“, sagt der Tiroler Filmproduzent.

Inzwischen hat er seinen Unmut auch bei Patricio Hetfleisch, dem Leiter für Marketing und Kommunikation der Tirol Werbung, deponiert. Im Gespräch mit der TT erklärt Letzterer, dass es nicht vordergründig darum gehe, Geld zu sparen, sondern unter dem Motto „Ein Fenster nach Tirol“ eine 60-minütige Traumsequenz von Tirol zu produzieren. „Dieser Film soll all jene erreichen, die heuer aufgrund von Reisebeschränkungen oder leerem Haushaltsbudget nicht nach Tirol kommen können, quasi als Gastgeschenk der Tiroler.“ Hetfleisch gesteht ein, dass nur für einen Teil des 60-Minüters auf Tiroler Filmprofis zurückgegriffen wird. „Neben den beauftragten Profis wollen wir Hobbyfilmern eine internationale Bühne bieten.“

Bei der gesetzlich verpflichtenden Ausschreibung der jüngsten Kampagne der Tirol Werbung auf drei Jahre sei übrigens eine Berliner Agentur ausgewählt worden. „Tiroler Filmemacher haben sich für den Auftrag leider nicht beworben.“ Hetfleisch ortet daher ein Informationsdefizit zwischen Tiroler Kulturschaffenden und der Tirol Werbung: „Sie sind künstlerisch top, aber kleinstrukturiert und mit den Abläufen bei uns oft nicht so vertraut. Für eine Kampagne brauchen wir etwa 18 Monate Vorlaufzeit.“ Am 30. Juli soll es nun aber ein Treffen zwischen Vertretern der Tirol Werbung, der Wirtschaftskammer, der Standortagentur und der kreativen Szene Tirols geben. „Wir wollen mehr Transparenz über unsere Prozesse bieten und Verbesserungsvorschläge für die Zukunft machen“, so Hetfleisch. Holzhammer ist optimistisch, dass das ein erster Schritt ist.

Als großes Problem sehen Kreative die Teilnahmebedingungen: Auch jene Filmemacher, die keinen Preis gewinnen, verzichten auf Namensnennung, erlauben die Weitergabe ihres Materials an Dritte, kurz, überlassen ihre Urheberrechte der Tirol Werbung zum Nulltarif. Hetfleisch beschwichtigt: „Wir verwalten öffentliche Gelder und müssen für Rechtssicherheit sorgen. Es ist sinnvoll, die lizenzrechtlichen Fragen vorab zu klären.“ Es habe diesbezüglich in der Vergangenheit schon gröbere Probleme gegeben. Gewisse Rechte wie die Weitergabe an Dritte sichere man sich nur formal, werde sie aber nicht in Anspruch nehmen. „Natürlich werden die Filmer namentlich angeführt werden“, erklärt der Marketingchef abschließend.


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