Freud und Leid bei der Pflegeausbildung in Tirol

Mit zwei Klassen startet die neue Pflegeausbildung an der Innsbrucker Ferrarischule im Herbst. Das AZW klagt über fehlende Anmeldungen.

Es mangelt weiter an Pflegekräften und auch an jenen, die den Beruf erlernen wollen.
© APA

Von Marco Witting

Innsbruck –Die Pflegehelden von morgen, sie sollen heute ausgebildet werden. Das klingt plakativ und passt in die Corona-Zeit. Das passt auch zur neuen Pflegeausbildung an der Ferrarischule, die bereits im kommenden Herbst mit 52 Schülern, die bisher aufgenommen wurden, beginnen wird. Tirol hat damit als erstes Bundesland eine Pflegeassistenz-Ausbildung ab dem 14. Lebensjahr im Programm – vorerst als Schulversuch. Doch wer glaubt, dass die Ausbildung von Pflegekräften jetzt boomt oder der Sektor nach der Corona-Krise einen plötzlichen Zulauf erlebt, der irrt. Irrt gewaltig.

Waltraud Buchberger, Fachbereichsdirektorin Pflege am AZW und in dieser Funktion Kooperationspartner der Ferrarischule, kann ein Lied davon singen. Für einen Kurs zur Pflegeassistenz in Imst ab Herbst gibt es derzeit gerade acht Bewerbungen – bei 35 Plätzen, mindestens 18 Bewerber bräuchte man. In Hall gibt es für zwei Kurse 17 Bewerber für insgesamt 70 Plätze. „Ich verstehe das nicht“, sagt Buchberger. „Das ist ein sicherer Job und wir hätten uns gerade jetzt, wo viele Menschen ihren Job verloren haben, mehr Anmeldungen erhofft.“

Die Hoffnung auf eine Trendwende hat die Fachbereichsdirektorin jedoch noch nicht aufgegeben. „Das Gehalt per se ist sicher nicht das Argument.“

Groß ist die Hoffnung, dass die neue Ausbildung an der Ferrarischule (zwei Anläufe hat die Bildungsdirektion beim Ministerium gebraucht) bundesweit Schule macht. „Das Interesse der Jugendlichen ist groß“, sagt Direktor Manfred Jordan. In drei Jahren werden die Schüler zu Bürokauffrau/ -mann ausgebildet, mit einem zusätzlichen halben Jahr und einem Praktikum dann noch zu Pflegeassistenten. Mit entsprechenden Weiterbildungsmöglichkeiten und einer Anrechnung von Inhalten.

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Der aktuellen Diskussion über einen Lehrberuf Pflege erteilte man bei der Präsentation in Innsbruck gestern eine klare Absage. Bildungslandesrätin Beate Palfrader sagte: „Es ist unzumutbar, dass wir 15-Jährige an ein Pflegebett lassen.“ Der Tiroler Weg, wenn die Schüler zwei Jahre älter seien, sei der wesentlich bessere, sagt Palfrader. Und: „Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie sehr wir von ausländischen Pflegekräften abhängig sind und wie hoch der Bedarf an Kräften, die direkt am Bett arbeiten, letztlich ist.“


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