Champagner für TSD-Aufsichtsräte, mehr als 6500 Euro Miete für eingestürzte Halle

Vor der Aufsichtsratssitzung in der Flüchtlingsgesellschaft TSD kracht es wieder: Anlass sind Protokolle über Personalpläne, Präsente und Finanzen. Für die eingestürzte Traglufthalle in Hall müssen noch immer 6513 Euro Miete bezahlt werden.

Obwohl die Traglufthalle in Hall schon vor mehr als einem Jahr zusammengeklappt war und mittlerweile abtransportiert wurde, bestätigte TSD-Chef Aigner gestern, dass noch bis November 2020 dafür Grundstücksmiete gezahlt wird.
© Domanig

Von Peter Nindler

Innsbruck – Ruhe ist ein Fremdwort in den Tiroler Sozialen Diensten, die aktuell 1805 Asylwerber betreuen. Mit der Vergangenheit hat sich ein politischer Untersuchungsausschuss beschäftigt, mit der Gegenwart befasst sich heute der Aufsichtsrat. Geplante personelle Umstrukturierungen, Mitarbeiterabbau und neue Gehaltsmodelle sorgen aber bereits seit Tagen für Debatten in den TSD. Denn im Intranet tauchten dazu interne Protokolle inklusive sensibler Mitarbeiterdaten auf. Seit Mai werden Personalpläne gewälzt.

TSD-Geschäftsführer Johann Aigner.
© Julia Hammerle

Welche Schritte gesetzt werden, darüber wollte TSD-Geschäftsführer Johann Aigner gegenüber der TT nichts sagen. Auch nichts zur finanziellen Situation. 2018 schrieben die TSD etwa einen Verlust von 3,86 Mio. Euro. Aigner: „Der Jahresabschluss 2019 befindet sich noch in Ausarbeitung.“ Aigner bestätigt jedoch, dass für die im Jänner 2019 eingestürzte Traglufthalle noch bis November 2020 Grundstücksmiete an die Stadt Hall gezahlt werden muss. Das sind monatlich immerhin 6513 Euro. Heute könnte der Aufsichtsrat aber einen Vergleich mit der Versicherung abschließen. Der Restwert der Traglufthalle wird mit 598.201 Euro beziffert.

Für Aufregung sorgt auch ein jetzt bekannt gewordenes „Handbuch Zentralsekretariat“. Darin sind für Geburtstage von TSD-Aufsichtsräten mögliche Präsente vermerkt wie Rotwein zu 100 Euro oder Champagner samt Bio-Crackern – ebenfalls zu 100 Euro. Laut Aigner handelt sich dabei „um ein Dokument aus dem Frühjahr 2018, welches für die derzeitige Geschäftsführung nicht relevant ist“.

Umstrukturierungen und Mitarbeiterabbau

Inhaltlich geht es beim TSD derzeit jedenfalls um Pläne eines „Kernteams“ rund um Geschäftsführer Johann Aigner über Umstrukturierungen, Mitarbeiterabbau – derzeit sind dort rund 165 Personen beschäftigt –, Neueinstellungen oder Zulagenänderungen. Seit Mai berät Aigner mit seinen engsten Vertrauten darüber, der Aufsichtsrat dürfte ebenfalls eingeweiht sein. Weniger die Beschäftigten in den TSD.

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Worum geht es konkret? Darüber wollte Aigner gegenüber der TT nichts sagen und verwies auf seine Mitteilung an alle TSD-Mitarbeiter, die wieder einmal mehr als irritiert sind: „Letzte Woche war ein Ordner auf unserem Laufwerk für alle zugänglich, dessen Inhalte für das Kernteam bestimmt sind. Das Kernteam unterstützt mich bei der Planung einer langfristigen und zielorientierten Ausrichtung der TSD. Um den Prozess übersichtlich und nachvollziehbar zu gestalten, werden diesbezüglich Besprechungsprotokolle verfasst.“ Weiterreichende Entscheidungen würden ausschließlich unter Einbindung von Aufsichtsrat, Generalversammlung, Betriebsrat etc. getroffe­n, fügte Aigner hinzu.

Das alles lässt „die Hütte“ brodeln, denn beim Neustart in den TSD vor einem Jahr wurde mehr Transparenz gegenüber den Mitarbeitern versprochen. Wie es wirtschaftlich aussieht, darüber hüllt sich Aigner ebenfalls in Schweigen. „Der Jahresabschluss befindet sich noch in Ausarbeitung und erst mit Fertigstellung können konkrete Aussagen dazu getätigt werden.“

Hauptthema im Aufsichtsrat dürften trotzdem finanzielle Belastungen wegen der im Jänner 2019 unter der Schneelast eingestürzten Traglufthalle in Hall sein. Für 2019 wurde bereits eine außerplanmäßige Abschreibung des Restbuchwerts der Traglufthalle von 598.201 Euro vorgesehen, heute soll schließlich über einen Vergleich mit der Versicherung abgestimmt werden. Der könnte den Verlust minimieren. Wird dadurch auch die Grundstücksmiete an die Stadt Hall teilweise refundiert?

Obwohl die Halle schon vor mehr als einem Jahr zusammengeklappt war und mittlerweile abtransportiert wurde, bestätigte TSD-Chef Aigner gestern, dass noch bis November 2020 dafür Grundstücksmiete gezahlt wird. Denn bis zu diesem Zeitpunkt läuft noch der seinerzeit abgeschlossene Mietvertrag. Monatlich sind das laut TSD-Bilanz satte 6513 Euro. „In Absprache mit der Stadt Hall wurden unterschiedliche Möglichkeiten erläutert, mit dem Ergebnis, dass die Miete von uns bis November noch bezahlt wird“, sagt Aigner abschließend.


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