Ein Mann mit Visionen: Monografie über Carl Pruscha

Eine Monografie über den Baukünstler Carl Pruscha führt umfassend vor, wie unkonventionell dieser Kosmopolit mit Tiroler Wurzeln tickt.

Von Carl Pruscha 1970/72 entworfenes Taragaon-Hostel in Kathmandu. Formal inspiriert von traditionellen nepalesischen Pilgerhäusern.
© pruscha

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Im Rahmen des derzeit im Innsbrucker aut.architektur und tirol weit ausgebreiteten Sittenbilds der 1970er-Jahren in Tirol spielt die Architektur eine von vielen Rollen. Auch die von Carl Pruscha, der, obwohl in Tirol geboren, hier immer ein Außenseiter bleiben sollte. Für den Vortrag, den der inzwischen 84-jährige, in Wien lebende Kosmopolit im Rahmen der Schau hätte halten sollen, musste Corona-bedingt in den virtuellen Raum ausgewichen werden, wer allerdings Lust hat, in den architektonischen Kosmos dieses extravaganten Baukünstlers einzutauchen, dem sei das von aut-Chef Arn­o Ritter mit herausgegeben­e Buch „Carl Pruscha. Ein ungewöhnlicher Architekt“ dringen­d empfohlen.

Das das Psychogramm eines Menschen entwirft, der sein Studium in Wien in den USA fortsetzt, um allerdings erst als von der UNO nach Kathmand­u geschickter Regierungsberater für Raumplanung den Nährstoff für seine kreativen Visionen zu finden, die er ein Leben lang möglichst kompromisslos umzusetzen versuchte. Als Durchdringung von Landschaft und Kultur, sich besinnend auf eine authentische, mit dem architektonischen Wissen von heute umgesetzten Regionalität.

Das Buch erzählt von den Bauten, die Pruscha in diesem Sinn nicht nur in Nepal realisiert hat, genauso wie dem Megaprojekt einer Inventarisierung aller Denkmäler und seine Frustration über den zunehmenden Einzug westlicher Normen in Nepal. Als Pruscha um 2000 noch einmal sein ehemaliges Traumland bereiste, wurde ihm schlagartig klar, wie wenig das Kathmandu der 1960er-Jahren mit dem touristisch vereinnahmten von heute zu tun hat. Die Verwandlung der ehemals zur Skulptur verdichteten Landschaft in eine „zentralistische Krake aus Gebäuden mit kaum freiem Ackerland“.

Im zweiten Teil des Buches wird es sehr persönlich. Geht es um Pruschas Aufwachsen während der NS-Zeit in der Wildschönau, seine frühe Begeisterung für Lois Welzenbacher, sein Studium in Wien, die Zeit in den USA, wichtige Bauaufträge, die Jahre als Lehrer an der Wiener Akademie bis zu seinen Ehen, Freundschaften, Wohnorten und Reisen.

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