Sommer lässt auf sich warten, am Wochenende aber kurz Badewetter

Stabiles Sommerwetter ist noch nicht in Sicht. Bis Freitag dominieren Schauer und es gibt teils heftige Gewitter, am Wochenende gibt es aber ein kurzes Zwischenhoch.

Im Innsbrucker Hofgarten genossen die Besucher gestern Nachmittag das sommerliche Wetter.
© Foto Rudy De Moor

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Der Juni war wettertechnisch zum Vergessen. Zumindest besteht bei vielen der subjektive Eindruck, dass der Monat zu kalt, zu nass und zu bewölkt war. Tatsächlich lagen die Temperaturen im Westen Österreichs im langjährigen Vergleich aber im Durchschnitt, wie Meteorologe Florian Pfurtscheller vom Wetterdienst Ubimet weiß: „Grundsätzlich werden derzeit die Monate mit dem 30-jährigen Mittel von 1980 bis 2010 verglichen. Ist die Abweichung der Temperatur geringer als -0,5 bis +0,5, spricht man von einem durchschnittlichen Monat.“

Und genau das sei für den Juni 2020 der Fall gewesen. „In den tiefen Lagen und da gerade im Oberland – wie beispielsweise in Landeck (-0,6 Grad) – war es eine Spur zu kühl, in Lagen um 1000 Meter Seehöhe eine Spur zu warm. Somit ist der Juni über die Fläche gemittelt genau im Durchschnitt“, erklärt der Experte.

Dass viele dennoch den Eindruck haben, der Juni sei völlig verregnet und viel zu kalt gewesen, liege an der Tatsache, dass die Junimonate der vergangenen zehn Jahre bei der Mittel-Messreche nicht berücksichtigt werden, erklärt Pfurtscheller. „Die verliefen nämlich allesamt deutlich wärmer. Einen ähnlich kühlen Juni wie heuer hat es zuletzt 2013 gegeben.

Doch zumindest was den Regen betrifft, bestätigt die Statistik die subjektive Wahrnehmung. „Es gab überdurchschnittlich viel Niederschlag. Sowohl in Nord- als auch in Osttirol ist verbreitet 30 bis 50 Prozent mehr Niederschlag gefallen als im 30-jährigen Mittel.“ Ähnlich nass ist es laut Pfurtscheller das letzte Mal im Juni 2016 in Tirol gewesen. Beim Sonnenschein fehlen dem heurigen Juni rund 20 bis 30 Prozent zum Soll. Generell ist das erste Halbjahr 2020 in Tirol um 1,5 bis 2 Grad zu warm ausgefallen, was vor allem auf einen deutlich zu warmen Januar, einen stürmischen Februar und einen trocken-warmen April zurückzuführen ist.

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Achterbahnfahrt der Temperaturen: Badewetter am Wochenende

Und wann wird es nun endlich sommerlich? „Die Achterbahnfahrt der Temperaturen geht vorerst weiter“, erteilt der Wetterexperte den Hoffnungen auf lang anhaltendes Schönwetter eine Absage. „Bis Freitag gibt es in Tirol wieder einige Schauer und teils heftige Gewitter, dabei gehen die Temperaturen von Tag zu Tag ein Stück zurück.“ Klettert das Thermometer heute noch auf 25 bis 31 Grad, so reicht es am Freitag gerade einmal für 17 bis 22 Grad. Am Wochenende setzt sich erneut ein Hoch durch und es geht wieder in Richtung Badewetter und viel Sonnenschein, spätestens am kommenden Dienstag aber rückt die nächste Kaltfront heran.

„Ein stabiles Hoch und somit mehrere trockene und heiße Tage sind derzeit nicht in Sicht und auch die etwas längerfristige Vorhersage deutet eher auf durchschnittliche Temperaturen und genügend Regen hin“, sagt Pfurtscheller. Betrachte man den Zeitraum vom Siebenschläfertag am vergangenen Samstag bis zum Ende der kommenden Woche, bekomme man bereits jetzt eine Vorschau auf den Hochsommer. „Das würde heuer eben auf einen recht durchschnittlichen Sommer mit ein paar heißen und ein paar verregneten Tagen hindeuten. Aber eine genaue Prognose ist natürlich noch nicht möglich“, betont der Meteorologe.

Grundsätzlich seien längerfristige Prognosen für Regionen in den mittleren Breiten – in denen Tirol liegt – deshalb schwierig, weil sich dort die Luftmassen aus dem kühlen Norden und die heiße Luft aus Süden treffen. Ebenfalls ein Faktor: die spezielle geografische Lage Österreichs. „Wir liegen im Übergang vom eher wechselhaften und kühlen Atlantikwetter zum Kontinentalklima über Russland mit eher heißen Sommern und sehr kalten Wintern. Während es dort trocken ist, ist die Adria als Feuchtespender nicht weit entfernt. Dazu kommt die Tatsache, dass Gewitter über den Bergen häufiger entstehen als im Flachland.“

Ein typischer Tiroler Sommer ist laut Ubimet-Meteorologen Florian Pfurtscheller genau das Wetter der kommenden Tage: „Ein bis zwei heiße Tage werden von gewitteranfälligen und kühlen Tagen abgelöst. Hitzewellen, wie wir sie die letzten Jahre öfters erlebt haben, sind eigentlich sehr untypisch für Tirol.“


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