Marko plant für Spielberg die „Quadratur des Kreises“

Fünf Tage vor dem ungewöhnlichen Formel-1-Saisonauftakt hat Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko im Gespräch mit der APA seine Wünsche für Spielberg offengelegt: „Sonnig und sehr heiß“ möge das Wetter für sein Team sein. Die Heimrennen seien besonders wichtig: „In der kurzen Saison ist jedes Rennen wichtig und wenn wir da die ersten vorne dabei sind, wäre das psychologisch ein großer Vorteil.“

Red Bull hat nicht zuletzt dank sehr hoher Temperaturen die beiden jüngsten Rennen in Spielberg gewonnen. Statt des ursprünglich als elftes Saisonrennen geplanten WM-Laufs ist man nun am kommenden Sonntag der WM-Auftakt, gefolgt von einem weiteren Rennen eine Woche später. „Man muss bei der geringen Anzahl bei jedem Rennen versuchen, optimal zu punkten“, ist Marko überzeugt. Taktisch müsse der Spagat zwischen Vollgas und Durchkommen geschafft werden. „Vollgas gehen, aber das Risiko nicht zu groß werden lassen - die Quadratur des Kreises.“

Marko ist überzeugt, dass neben den bisher acht geplanten Rennen noch weitere dazukommen dürften. Shanghai ist offenbar fast fix. Marko nannte als weitere mögliche Kandidaten Türkei, Portugal und Mugello in Italien. Sotschi in Russland sei ebenfalls im Gespräch, „Hockenheim ist auf Reserve“. Bei einem TV-Auftritt Montagabend auf „Servus TV“ meinte Marko, dass er sich aufgrund der Verträge aber kein drittes Rennen im Herbst in Spielberg vorstellen könne.

Für einige kleinere Teams geht es auch laut Marko in der geschrumpften Saison um viel Geld und wohl auch um das Überleben. Einige haben TV-Verträge abgeschlossen, die zumindest 15 Rennen voraussetzen. Marko zufolge dürften Teams aber „nicht ganz wegfallen, da wird es Kompromisse geben“. Williams habe bereits Anteile zum Verkauf angeboten. Die restlichen Teams haben Eigentümer, die - wenn sie wollen - entsprechend zuschießen können. McLaren hätte auch gerade einen Investor gefunden. „Akut sehe ich die Gefahr nur bei Williams und mit einem Anteileverkauf müsste das dort auch zu lösen sein.“ Red Bull habe aber kein Interesse daran.

Bei Red Bull Racing sei der Ausfall jedenfalls geringer als beim zweiten Team AlphaTauri, weil Red Bull Racing mit drei anderen Teams einen Sonderstatus hat, begründete der Grazer. Wie hoch die Ausfälle aber sind, lasse sich momentan in keiner Weise abschätzen.

Angesichts der hohen Sicherheitsstandards und Testreihen, um mögliche Covid-19-Infektionen rasch zu finden, müssen die Teams gesunde Ersatzfahrer bereit halten: Für beide Red Bull-Teams ist das aktuell der zurückgekehrte, einstige RB-Junior Sergio Sette Camara aus Brasilien. Zweiter Ersatzmann ist „für den schlimmsten aller Fälle“ laut Marko der Schweizer Sebastien Buemi. Dieser stehe aber nicht immer zur Verfügung, „weil er in der Formel E einen Vertrag mit Nissan hat“.

Für das Projekt Spielberg stellen die beiden Auftakt-Rennen auf dem Red Bull Ring ohne Ticketeinnahmen eine fast unlösbare Rechenaufgabe dar, denn die Kosten der beiden Rennwochenenden können sich ohne diese Einnahmen wohl nicht decken. Marko dazu: „Es wurde mit Liberty Media eine neue Vereinbarung getroffen, über deren Inhalt Stillschweigen vereinbart wurde.“ Die anstehenden möglichen Vertragsverlängerungen für die Formel 1 in Spielberg - 2020 ist nach aktuellem Plan das vorerst letzte Rennen im Aichfeld - seien keine Beweggründe gewesen, betonte Marko.


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