Thierseer wehren sich gegen Bodenaushub am Ortsanfang

Anrainer legen Unterschriftenlisten gegen eine neue Deponie auf. Auch Bürgermeister Juffinger ist gegenüber dem Projekt äußerst skeptisch.

Alois Klingler zeigt auf die Deponie-Fläche, auf der die nächsten 15 Jahre Aushubmaterial landen soll.
© Klingler

Von Wolfgang Otter

Thiersee – Mehr Verkehr, Staub und Lärm – das befürchten Anrainer an einer geplanten Bodenaushubdeponie in Thiersee. Daher sind sie sich einig: „Hier darf es keine solche Deponie geben.“ Seit bekannt wurde, dass Georg Thaler bzw. die Firma „Hurzbichl Erdbau“ in den nächsten 15 Jahren an die 96.000 Kubikmeter Bodenaushub am Beginn des Ortsgebiets abladen will, kursieren Unterschriftenlisten, zudem entwickelte sich die Ablagerung zum politischen Diskussionsthema.

Für Alois Klingler, der direkt neben der Aufschüttfläche wohnt, geht es auch um „das Bild, das Thiersee bei Gästen macht, wenn man bei der Dorfeinfahrt so etwas sieht. Was kann man sich im Urlaub schöneres wünschen als eine Deponie? Da muss man ja dann direkt die Werbestrategie ändern“, fügt er sarkastisch an.

Klingler macht sich aber nicht nur Sorgen, um den Tourismus, sondern fürchtet sich vor allem vor Staub und Lärm, wie er in einer Stellungnahme an die Bezirkshauptmannschaft Kufstein anführt: „Die am nächsten stehenden Häuser können nicht mit einem Erdwall abgeschirmt werden, da von deren Seite die Zufahrt angedacht wäre. Somit bestünde eine erhebliche Lärm- und Staubbelästigung.“ Dieses Schreiben an die Umweltbehörde trägt mittlerweile auch die Unterschriften vieler seiner Nachbarn.

Skeptisch sieht man das Projekt auch im Gemeindeamt Thiersee. „Wir haben bereits eine Bodenaushubdeponie im Ort. Dahin wird teilweise das Material aus Kufstein angeliefert“, sagt Bürgermeister Johann Juffinger. Das wolle man nicht noch einmal haben. Wenn schon eine Deponie, dann nur für Thierseer Bauvorhaben. Daher ist eine negative Stellungnahme aus der Gemeindestube zu erwarten.

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Auch Klingler hat so seine Bedenken, was die Anlieferungen anbelangt. „Bei einem Bedarf von rund fünf Baugrundstücken in Thiersee werden keine 6500 Kubikmeter im Schnitt erreicht“, ist er sicher. Daher nehmen auch die Anrainer an, dass der Rest aus dem Inntal über die Thierseestraße angeliefert wird. „Was zu einer beträchtlichen Zunahme des Verkehrs führen wird“, ist sich Klingler sicher.

Das weist Antragsteller Georg Thaler zurück. Laut ihm ginge es eigentlich um eine „Rekultivierungsmaßnahme“ auf dem Feld der Familie, da die steile Böschung nicht zu bewirtschaften sei. 90 Prozent der angedachten Fläche, so Thaler zur Tiroler Tageszeitung, werden immer Wiese sein, auch während der Schüttzeit. Und die Fläche sei „in erster Linie für die Thierseer Bevölkerung gedacht“, sagt Thaler.

Aber auch Transporte aus dem Inntal könne er nicht gänzlich ausschließen. Ein Überschreiten von 20 bis 25 Fahrten am Tag im Jahresschnitt will der Unternehmer auch nicht bestätigen: „Das werden viel weniger. Zeitweise wird es überhaupt keine Fahrten geben.“ Und die Fläche befinde sich am Ortsanfang.

Die GS-Management GmbH vertritt Thaler bei der Eingabe. Günther Schweinberger von der Gesellschaft meint zur Dimension der jährlichen Ablagerung: „Das ist das Aushubmaterial von lediglich sechs bis sieben Einfamilienwohnhäusern.“ Hier ginge es um einen lokal begrenzten Bereich. Als Schutz werde ein Damm errichtet, „und angesichts des Umgebungslärms von der Straße ist von den Arbeiten kaum etwas zu hören“.


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