Bienenallergien: Ein Drittel der Hobby-Imker gefährdet

Weniger als eine Handvoll Menschen sterben jährlich österreichweit an den Folgen von Insektenstichen. Im Alter wird die Reaktion heftiger.

Imker, die öfter als 200-mal pro Saison gestochen werden, sind praktisch immun.
© iStockphoto

Von Alexandra Plank

Innsbruck – Nesselausschlag, Atembeschwerden, Ohnmacht: Die Reaktionen auf einen Insektenstich können bei Personen, die allergisch reagieren, dramatisch sein. Zudem schützt Alter nicht vor einer Allergie.

Cornelia Gattringer von der Allergieambulanz der Klinik Innsbruck erklärt, dass eine allergische Reaktion bei Insektenstichen nicht vorhersehbar sei. „Mit Blut- und Hauttests alleine lässt sich keine Allergie diagnostizieren. Wird jemand gestochen und reagiert allergisch, wird die Krankengeschichte erhoben, dann werden die Tests durchgeführt und der Schweregrad abgeklärt.“ Tödliche Verläufe seien selten: Zwischen zwei und vier Personen sterben pro Jahr österreichweit an den Folgen eines Stiches. „Juckreiz an Hand- und Fußflächen und am Kopf sind ein Alarmzeichen. Man sollte sofort die Rettung alarmieren, sich hinsetzen, die Beine hochlagern.“

Auch die Zeitung der Ärztekammer widmete sich kürzlich dem Phänomen Insektenallergie. Das Risiko für eine schwere allergische Reaktion steige mit dem Alter sogar. Eine Rolle spiele auch, wie sehr man Stichen ausgesetzt sei. „Unter Imkern reagiert bis zu ein Drittel allergisch auf Bienengift. Hobbyimker sind oft gefährdeter als Berufsimker. Studien haben gezeigt, dass Imker, die über 200-mal pro Saison gestochen werden, ein geringeres Risiko haben als solche mit weniger als 25 Stichen“, heißt es in dem Fachartikel.

Die Bienenstöcke in der Axamer Lizum.
© Hetzenauer

Gattringer kann das unterstreichen: Man gehe davon aus, dass sehr häufige Stiche eine Art natürliche Immunisierung oder Toleranz, ähnlich wie bei durchgeführter spezifischer Immuntherapie mit Insektengift, ergebe. Bei dieser Therapie wäre zum Abschluss ein echter Stich unter Notfallbedingungen vorgesehen, doch „Menschen, die eine schwere allergische Reaktion erlebt haben, wollen das nie wieder“. Allergiker sollten stets ein Notfallset mitführen.

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Reinhard Hetzenauer, oberster Imker Österreichs, sagt, dass ein Neo-Imker in Tirol aufgrund einer allergischen Reaktion in die Klinik geflogen wurde. „In Österreich sind praktisch alle Hobby-Imker, als Berufsimker gilt man ab oder mit mehr als 50 Bienenvölkern, das sind 300 Personen.“ Hobby-Imker gibt es indes rund 29.000. Bei den Kursen werde darauf aufmerksam gemacht, dass Insektenallergie ein Ausschlussgrund sei. „Die meisten Imker sind immun. Aber weh tut es immer“, sagt er.

Die Ärztin wünscht sich indes mehr Aufklärung: „Allergien sind ein bisschen en vogue, es wäre gut, wenn mehr Menschen wüssten, dass auch eine starke Hautschwellung an der Stichstelle alleine nicht bedrohlich ist.“

Honigertrag heuer wohl bescheiden

Die Bienenstöcke gehen dieser Tage auf Sommerfrische auf die Alm, erzählt Österreichs oberster Imker Reinhard Hetzenauer. Jetzt blühen nämlich die Almrosen. Für den Transport kommen die Bienenstöcke auf einen Anhänger, damit sie nicht ausbüxen, werden die Fluglöcher geschlossen. „Der Waldhonig wird heuer indes nicht sehr ergiebig sein“, prognostiziert der Experte. Die Fichten hätten in diesem Jahr besonders intensiv geblüht und das sei immer ein Zeichen dafür, dass die Nektargewinnung durch die Bienen zu wünschen übrig lasse.

Auch ansonsten wird das gelbe Gold heuer nicht in Strömen fließen. „Es ist mittlerweile so, dass das Wetter im Mai so wechselhaft wie im April ist, dadurch können die Bienen weniger sammeln.“ Dabei hätte das Jahr für die Bienen sehr gut begonnen. Aufgrund der Fürsorge der Imker waren die Verluste bei den Bienenvölkern in Tirol mit höchstens
15 Prozent so gering wie vor dem Auftreten der Varroamilbe.

Dieser eingeschlepte Schädling kostete in anderen Jahren bis zur Hälfte der Tiere das Leben. Bereits am 20. Juli ist die Flugsaison für die Bienen vorbei, die Stöcke werden dann winterfest gemacht.


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