Kunsthaus Graz mit Bill Fontana und CalArts-Geschichte

Im Kunsthaus Graz werden die wegen der Pandemie bereits am Eröffnungstag wieder geschlossenen Ausstellungen wieder geöffnet: Bill Fontanas „Primal Energies“ und die Soundinstallation „Sonic Projections“ vom Grazer Schloßberg wollen das Bewusstsein für die Umwelt schärfen. Im Space02 wird eine Geschichte der frühen Jahre der Kunsthochschule California Institute of the Arts (CalArts) gezeigt.

Mit seiner Klangarbeit „Sonic Projections“ hat der amerikanische Klangkünstler Bill Fontana im steirischen herbst 1988 Naturklänge aus der ganzen Welt vom Grazer Schloßberg in die Stadt und über das Ö1 Kunstradio durch ganz Österreich ausgesendet. Vom Nebelhorn aus San Francisco bis zum Liebeswerben thailändischer Gibbon-Pärchen reichte das Spektrum der für viele seltsamen Klangkulisse. Nach massiven Protesten der Bevölkerung endete der Ton- und Geräuschteppich, der damals einen wahren Sturm des Bürgerprotests entfachte, früher als geplant.

Im Grazer Kulturjahr 2020 sollte die mehr als 30 Jahre alte Sound-Installation in der Stadt, die sich in diesem Zeitraum auch akustisch verändert hat, in aktualisierter Form wieder zu hören sein. Dann kam der Corona-Lockdown. Bis zum 4. Oktober sind die Klänge nun doch noch von Montag bis Samstag, zwischen 8.20 und 11.20 Uhr sowie 14.20 und 18.20 Uhr für kurze Zeit im Stadtraum zu hören. Neu hinzugekommen ist etwa der Ruf des Kuckucks (Donauauen, 1990), der Gesang der finnischen Nachtigall (1990) und das Wasserrauschen der Mur. Sie werden mit Live-Aufnahmen aus der städtischen Klanglandschaft - aufgenommen etwa am Europaplatz, dem Stadtpark und am Bahnhof - kombiniert und laden abermals zum bewussten Hinhören ein.

Wie erneuerbare Energie zum Klingen gebracht werden kann, zeigt Fontana in der Installation, die speziell für den Kuppelraum im Kunsthaus, dem Space01, entwickelt wurde. In der von Katrin Bucher Trantow kuratierten Schau lässt der Künstler die Besucher vor riesigen Videowalls in Klänge der alltäglichen Umwelt sowie die Visualisierungen technischer Entwicklungen im Bereich der Nachhaltigkeit eintauchen. In einer großen Raummontage schafft Fontana damit eine sich stets verändernde Installation, die Klänge von Wasser-, Erd-, Sonnen- und Windenergiegewinnung visuell und akustisch aufbereitet.

Parallel dazu skizziert die von der Kestner Gesellschaft Hannover gemeinsam mit dem Kunsthaus Graz kuratierte Ausstellung im Space02 die frühen Jahre der amerikanischen Kunsthochschule California Institute of the Arts (CalArts). Für die rund 100 Werke von etwa 40 Künstlerinnen und Künstlern sowie den zahlreichen Dokumenten und Interviews mit Zeitzeuginnen und -zeugen sollten Besucher ausreichend Zeit mitbringen. Zum Lohn bietet sich ein Panoramablick auf die parallel existierende Strömungen der 1970er-Jahre aus dem Umfeld der Konzeptkunst, des Feminismus und des Fluxus sowie radikalpädagogische Konzepte.


Kommentieren


Schlagworte