Lokalaugenschein: Urlaub von Corona ausgerechnet in Sölden

Vom winterlichen Corona-Hotspot zur begegnungsarmen Ferien-Oase: Sölden nach dem Neustart in die Sommersaison.

Patrick Köhler beim Corona-Check im Aquadome.
© Thomas Boehm / TT

Von Thomas Böhm

Sölden –„Wir genießen hier den Urlaub vom viel strengeren Corona-Regime bei uns daheim“, das sagen viele der Sölden-Gäste, wie Claudia und Sascha Schierz aus Basel-Land (Schweiz). Sie entspannen auf der Terrasse der Marco’s Bar im Zentrum. Ihre zwei Teenager haben heute die Area 47 vorgezogen: „Man kann hier viel unternehmen und Massenansammlungen ausweichen.“

Das deckt sich mit der aktuellen Botschaft von Ötztal-Tourismus: „Wir haben ein super Anti-Corona-Angebot als flächenmäßig größte Gemeinde Österreichs und mit dem ganzen Ötztal! Gäste können bei uns Verdichtungen ausweichen“, sieht Tourismus-Direktor Oliver Schwarz kurz nach Eröffnung der Sommersaison am 26. Juni die Chancen und stellt das Bild von überfüllten Stränden gegenüber.

Dass auch Sölden als eine der Après-Ski-Metropolen mit dichtestem Massentourismus noch vor wenigen Monaten Corona-Hotspot war und unter Quarantäne stand, ist jetzt einmal Schnee von gestern.

Maskenpflicht in den Gondeln der Seilbahn
© Thomas Boehm / TT

Wie auch für die Schweizer Claudia und Sascha: „Wir fühlen uns hier sicher! Über die Corona-Lage in Tirol haben wir uns informiert.“ Ihr Ferien-Quartier ist in Längenfeld, „in Sölden würden wir nicht zwei Wochen unseres Urlaubs verbringen wollen“.

„Wir haben hier keine Angst vor Corona!“, betont auch Daniel Schmid aus Krefeld in Nordrhein-Westfalen (D). Seine Familie mit Frau Merle sowie Anika (9) und Florian (11) hat heute einen Wandertag eingelegt und gerade im Supermarkt in Sölden eine Jause gekauft. Eigentlich wollten sie Aktivurlaub in Südtirol machen, was Corona dann vereitelte. „Das touristische Zusatzangebot ist hier schon viel größer!“ Die Schmids sind zum ersten Mal im Ötztal und campieren in Huben.

Dass Sölden im Gegensatz zu Ischgl nach den Corona-Pannen der Wintersaison wohl (wie auch der Arlberg oder Mayrhofen) einfach nur Riesen-Glück gehabt hat, nicht selbst als Europas Corona-Brutstätte Nummer eins in den Schlagzeilen geprügelt zu werden: Das lässt auch Tourismusdirektor Schwarz gelten, „aber Ischgl will ich nicht kommentieren“.

Jennifer und Lars nach ihrer Abfahrt in der Bike-Republic.
© Thomas Boehm / TT

Vielleicht ist das ja auch nur heimatverliebtes Detailwissen: „Wir wussten gar nicht, dass Sölden ein Corona-Hotspot war“, staunt Jennifer Bruns aus München. „Aber hier sind wir eh nur im Freien unterwegs. Und bei der Bergfahrt mit der Gaislachkogel-Bahn herrscht Maskenpflicht, zumindest bis zum Einstieg in die Gondel“, ist sie unbesorgt. Mit Freund Lars hat Jennifer gerade auf dem Rad eine der Strecken der 70 Kilometer umfassenden Bike-Republic absolviert.

„Ischgl als Corona-Hotspot? Nie davon gehört! Auch nicht von Sölden“, meinen die Niederländer Anne (30), Sam (31) und John (29). Sie sind erst heute Früh angekommen und haben sich gleich auf die Mountainbikes geschmissen. „Außer dem Supermarkt haben wir noch nichts gesehen in Sölden, also auch kein Nachtleben. Hast du dazu eine Empfehlung?“

Wie Tourismusbetriebe höchst professionell nach wie vor aktuelle Corona-Maßnahmen umsetzen und zusätzlich auf Nummer sicher gehen, kann man im Aquadome in Längenfeld beobachten. Familie Köhler aus Niedersachsen checkt dort gerade ein: Ohne Unterweisung in Hygienerichtlinien, Fiebermessen und Registrierung kommt niemand in die Therme. „Da fühlen wir uns absolut sicher“, freuen sich die Köhlers auf ihren Badetag.


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