Gericht in Türkei berät über Wahrzeichen Hagia Sophia

Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei befasst sich am Donnerstag mit der Frage, ob das berühmte Wahrzeichen von Istanbul - die Hagia Sophia - wieder in eine Moschee umgewandelt werden kann. Die für fast 1.000 Jahre größte Kirche der Christenheit ist heute ein Museum. Anhänger der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP fordern seit langem, die Hagia Sophia für das Gebet zu öffnen.

Vor allem Griechenland ist wegen der Bedeutung der Hagia Sophia für die christliche Orthodoxie gegen eine Änderung des Status. Die Entscheidung könnte die Spannungen zwischen den Nachbarländern weiter verschärfen, die schon um Erdgas im östlichen Mittelmeer streiten. Der Status des Bauwerks ist daher ein Politikum.

Die im 6. Jahrhundert nach Christus erbaute Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) gehört seit 1985 als Teil der Istanbuler Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie war fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit und Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, in der die Kaiser gekrönt wurden. Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen wandelte Sultan Mehmet II. die Hagia Sophia in eine Moschee um und fügte als äußeres Kennzeichen vier Minarette hinzu. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung in ein Museum an.

Mit diesem Beschluss des Ministerrats beschäftigt sich nun das Oberste Verwaltungsgericht. Ein Verein hatte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu schon im Jahr 2016 Klage eingereicht und eine Annullierung der damaligen Entscheidung gefordert. Die Unterschrift Atatürks auf dem Beschluss sei gefälscht, so die Begründung. Sollten die Richter den Weg zur Umwandlung freimachen, könnte die Entscheidung womöglich bereits am 15. Juli umgesetzt werden, heißt es in türkischen Medien. Das Datum hat Symbolkraft: Dann jährt sich der Putschversuch von Teilen des Militärs gegen Erdogan zum vierten Mal.

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