„Schwindeln, was geht“ bei Onlineprüfungen an Uni Innsbruck

Corona-bedingt finden an der Uni Innsbruck den ganzen Sommer Prüfungen statt.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Ein Student der Naturwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Innsbruck macht kein Hehl aus seinem Vorhaben. Er erzählt im Bus seinen Freunden, dass er „schwindeln wird, was geht“. Zur Onlineprüfung, die bald ansteht, habe er Freunde eingeladen, die „helfen“ sollen. Als Dankeschön gibt es nachher einen Umtrunk, auf Kosten des Hauses sozusagen. Ein anderer Student spricht offen – nur mit Namen will auch er selbstverständlich nicht in der Zeitung genannt werden. „Ich habe super geschwindelt, gemerkt hat es keiner.“

Dass sich Studenten „Gedanken machen, wie man schwindelt, ist klar. Das kennt man schon aus der Schule, dass man versucht, mit Schwindelzetteln zu arbeiten“, sagt Uwe Steger, Pressersprecher der Leopold Franzens Universität Innsbruck. Trotz Studentenberichten über erfolgreiches Schwindeln bezeichnet er die Chance, dass man damit bei digitalen Einzelprüfungen durchkommt, „wegen der Überwachungsmaßnahmen als sehr gering“. Für die Onlineprüfung muss der Computer mit einer Kamera ausgestattet sein, „und die Studenten müssen den Raum zeigen und was sie herumliegen haben. Und das nicht nur zu Beginn der Prüfung, sondern auf Verlangen auch mittendrin.“

„Vollständige Überwachung entspricht nicht unserem Selbstverständnis"

Bei größeren virtuellen Prüfungen – an denen bis zu 500 Studenten teilnehmen – ist das laut Steger deutlich „komplexer und da sind wir uns der Gefahr des Schwindels auch bewusst. Eine vollständige Überwachung entspricht weder unserem Selbstverständnis von Universität noch wäre es logistisch oder finanziell umsetzbar gewesen.“ Man nehme die Möglichkeit des Schwindelns aber „in Kauf, um Studierenden die Möglichkeit zu geben, ihre Lehrveranstaltungen erfolgreich abzuschließen. Grundsätzlich wissen Studierende, dass es um ihre Zukunft geht.“

Wer beim Schwindeln erwischt wird, hat keine schweren Konsequenzen zu befürchten, wie die Informationsmail der Uni betreffend „Prüfungen und Praktika“ zeigt. Studenten müssen zwar in einer eidesstattlichen Erklärung bestätigen, „dass sie die Prüfung alleine und selbstständig ablegen und keine anderen als die erlaubten Hilfsmittel verwenden“ und dass „keine andere Person an ihrer Stelle die Prüfung ablegt“. Bei Zuwiderhandeln wird die Prüfung lediglich mit der Note „Nicht genügend“ beurteilt. Dass die Konsequenzen zu mild sind, ist für Steger nicht der Fall. „So sieht es das Gesetz vor und so wird das auch – unabhängig von Corona – praktiziert.“ (wa)

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