Stanglwirt in Going: Voll bis Herbst, Krise als Chance für Tirol

Der Stanglwirt in Going ist nach Corona-Zwangspause ausgebucht. Die Weißwurstparty 2021 ist fraglich.

„Gäste wollen Sicherheit“, sagen Stanglwirt Balthasar Hauser und seine Tochter Maria Hauser.
© Stanglwirt

Von Alois Vahrner

Going –Seit 1722 gibt es den Stanglwirt in Going. Balthasar Hauser hat ihn mit seiner Familie in den letzten Jahrzehnten zum wohl international bekanntesten Hotel Tirols und auch Promi-Magneten gemacht. Selbst während der Kriege gab es laut Hauser nie einen Schließtag – bis zum von der Regierung verordneten Corona-Stillstand Mitte März. In nur drei Tagen sei man auf null heruntergefahren und dann in drei Tagen bis 29. Mai wieder voll hochgefahren. „Wir hatten keine Erfahrung mit dem Aufsperren, weil wir vorher noch nie zu hatten“, sagt Hauser.

Die Hälfte der 318 Mitarbeiter musste im März mit Wiedereinstellungszusage zum AMS, die andere war in Kurzarbeit, sagt die für das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Juniorchefin Maria Hauser.

Mitte Mai öffnete der Gasthof wieder und hatte vom Start weg um 20 Prozent mehr Gäste als vorher. Das Hotel mit seinen 420 Gästebetten ist bereits seit dem zweiten geöffneten Tag am 30. Mai ausgebucht (zunächst mit fast nur Österreichern, darunter auch zwei Familien aus Going sowie etlichen Hoteliers, und ein paar Deutschen), und das durchgehend bis Herbst. Man sei „demütig und sehr dankbar“ für den großen Zuspruch der Gäste, so die Hausers. Alle 318 Mitarbeiter haben ihre Stellen wieder.

„Weit hält, eng zerreißt“

Die „neue Normalität“ mit Abstandsregeln sieht Balthasar Hauser mit Hinweis auf die Landwirtschaft („weit hält, eng zerreißt“) durchaus positiv. Vieles werde man im Sinne von Gästen und Mitarbeitern auch nach Corona beibehalten. „Sicherheit als auch unser oberstes Gebot“ gebe nämlich Geborgenheit. Es gebe weniger Hektik und mehr Sinn für Nachhaltigkeit, Genuss, Regionalität und Qualität, so Maria Hauser. Ehrlichkeit und Transparenz auch als „Gast-Geber“ würden geschätzt. So könne diese Krise, welche neben Fernreisen auch die Stadthotellerie stark treffe, auch eine gute Chance für Tirol sein.

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„Mit den richtigen Schlüssen können wir aus dem Minus ein Plus machen“, sagt Balthasar Hauser. Der Stanglwirt sei „ein Bioheumilch-Bauernhof mit eingebautem Luxushotel, das eigentlich um einen Misthaufen herum gebaut wurde. Die Kühe waren immer schon da.“

Über die Grenzen hinaus ist die alljährliche Weißwurstparty am Hahnenkamm-Rennwochenende. Ob diese trotz der vor Jahren auf 2800 begrenzten Besucher-Zahl angesichts der Corona-Gefahr stattfinden kann oder abgesagt werden muss, werde im September entschieden, betont Maria Hauser.


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