Ausstellung von Margarethe Drexel: Ohne Furcht Kultur sezieren

Mit „Fuerchte dich nicht“ wurde gestern die erste Einzelausstellung der Tirolerin Margarete Drexel in Innsbrucks Neuer Galerie eröffnet.

Tradition, etwa in christlichen Motiven, wird in neue Kontexte übersetzt: Bei Drexel wird der Totentanz zeitgenössisch interpretiert.
© West.Fotostudio

Innsbruck – Gleich beim Eingang wird Mut zugesprochen. „Fuerchte dich nicht“, prangt auf der Tür der Neuen Galerie der Tiroler Künstschaft, in der vergangenes Wochenende die Ausstellung von Margarethe Drexel eröffnet wurde. Es ist die erste Soloshow der Tirolerin in Innsbruck, die bisher mit ihrer künstlerischen Arbeit zwischen dem Lechtal und Los Angeles pendelte. Vor Kurzem bezog sie ein Atelier im Künstlerhaus Büchsenhausen.

Furcht wäre in dieser Ausstellung definitiv unangebracht, wird doch auch gegenwartskunstscheues Tiroler Publikum einen Zugang finden. Alle ausgestellten Arbeiten sind von Versatzstücken der Biografie von Drexel durchzogen, sie alle erzählen auf ihre Weise von der Heimat, dem Lechtal. Nicht so, wie wir es gewohnt sind. Drexel demontiert und seziert Konzepte wie Kultur und Tradition in präziser und reizvoller Weise.

Ihre persönliche Auseinandersetzung mit Glaube, Moral und Religion beginnt beim bereits erwähnten „Fuerchte dich nicht“, das in historischer Tannberg-Schrift angebracht wurde. „Fuerchte dich nicht“, verkünden schon die Engel in zahlreichen biblischen Erzählungen und ermutigen den Sünder, vom Dunkel ins Licht zu treten. Durchdekliniert wird dieser Aspekt anhand von einer Bibelstelle, die Drexel in unterschiedlichen Übersetzungen beobachtet und als schier endlose Litanei in der handgebundenen Publikation „I’ll be right here“ niederschreibt. Es ist das Schriftbild, die Sprache selbst, die sie interessiert.

Gleiches geschieht im Ensemble aus Zeichnungen, für die sie 21 Sterbebilder aus den Jahren zwischen 1920 und 2010 sorgfältig abpauste. 800 hatten sich im Besitz ihrer Mutter angesammelt. Auch hier interessiert Drexel Sprache, Formulierungen und Schriftbild – und deren Veränderung.

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Gegen eine ein Stück weit auch romantisierende Vorstellung von Tradition scheint die Arbeit „Torture Wheel Couple. Assembly Kit“ vorzugehen. Mit zwei geteilten Kaminziegeln, zwei angespitzten Bäumen und zwei Rädern legt Drexel Einzelteile vor, aus denen im Mittelalter die blutige Tradition des Räderns zusammengesetzt wurde. Zumindest die Redensart „Ich fühle mich wie gerädert“ ist von der Foltermethode übriggeblieben.

Übriggebliebenes Material, Scheren oder Kerzenwachs werden bei Drexel ebenso in neue Kontexte gestellt, nicht nur Vergangenes, sondern auch die Gegenwart und Popkultur winken den Betrachtenden vereinzelt entgegen – etwa in Gestalt von E.T.

Drexel malt gerne in Dualitäten: Licht-Schatten, Gut-Böse, Vergangenheit-Gegenwart. Nur wer genauer hinsieht, wird aber auch die Facetten dazwischen erkennen. (bunt)


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