Ruf nach Pflichtversicherung bei Naturkatastrophen

Die künftige Vorstandsdirektorin der Tiroler Versicherung, Isolde Stieg, schildert Trends in der Versicherungswirtschaft.

Die künftige Vorstandsdirektorin der Tiroler Versicherung Isolde Stieg setzt sich für Chancengerechtigkeit auf allen Ebenen ein.
© Foto TT/Rudy De Moor

Sie sind eine der wenigen Frauen in Österreich, die in den Vorstand eines Versicherungsunternehmens berufen wurde. Gibt es Aufholbedarf bei der Frauenquote in Vorständen?

Isolde Stieg: Eine Frauenquote ist eine von vielen Maßnahmen, die dazu führen, dass insgesamt mehr gut qualifiziertes Personal in Spitzenpositionen kommt – sowohl Frauen als auch Männer. Und darum muss es auch gehen. Kluge Unternehmen setzen auf die Besten – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Alter. Konsequente Chancengerechtigkeit auf allen Ebenen muss selbstverständlich sein.

Wie sollte sich die Tiroler Versicherung in den kommenden fünf Jahren entwickeln?

Stieg: Den satzungsgemäßen Auftrag unserer Gründer, nämlich zum Gemeinwohl, zur Schadenverhütung und zur Entwicklung der Region beizutragen, leben wir seit nunmehr 200 Jahren. Wir setzen auf Dienstleistung und gelebte Regionalität. Und gehen damit, wie so oft, unseren eigenen Weg. Das, was wir gut können, machen wir besser als andere und dort, wo wir zuhause sind – in der Europaregion Tirol. Vorrang haben für uns die langfristige Sicherheit des Unternehmens und der Aufbau von Reserven. Wir sind davon überzeugt, dass die beste Dienstleistung die besten Fachkräfte braucht. Deshalb investieren wir in die Ausbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bieten optimale Arbeitsbedingungen.

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Welche Lehren zieht die Tiroler Versicherung aus der Corona-Pandemie?

Stieg: Einmal mehr hat sich gezeigt, dass sich unsere „Regionalstrategie” bewährt. Wir setzen auf solide Entwicklung mit und für Menschen. Corona hat einmal mehr gezeigt, dass unser gelebtes Gegenseitigkeitsprinzip, unsere Verantwortung gegenüber der Region, den Bewohnern und den Mitarbeitern, korrektes ethisches Handeln sowie echte Dienstleistung vor Ort mit regionalspezifischen Produkten auch unser Erfolgsgeheimnis sind. So konnten wir den Vollbetrieb stets aufrechterhalten und unsere Dienstleistung auch vom Home-Office aus in höchster Qualität erbringen. Unsere Strategie, die gesamte Organisation nach den Menschen auszurichten und mutig neue Wege zu gehen, bewährt sich – gerade in der Krise.

Die Gesellschaft und das Leben werden immer komplexer. Wie reagiert darauf die Versicherungswirtschaft?

Stieg: Die wesentlichen Herausforderungen sind sicher, tragfähige Lösungen für unvorhersehbare Risiken im Zusammenhang mit teilweise unbekannten Versicherungsobjekten zu entwickeln, zum Teil hochkomplexe Risikogeflechte in allen Dimensionen zu verstehen und mit sinnvollen Lösungen abzudecken. Natürlich birgt Unvorhergesehenes auch neue Chancen. Unsere Unternehmensstruktur ist sehr agil und ermöglicht es uns, schnell auf Veränderungen zu reagieren und innovative Lösungen zu entwickeln. Und auch hier: Der Schlüssel sind für uns die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nur mit den Besten und mit einer Unternehmenskultur, die Veränderungen nicht nur zulässt, sondern fördert, werden wir unseren Kundinnen und Kunden auch weiter maßgeschneiderte, zeitgemäße und sinnvolle Lösungen anbieten.

Auch Naturkatastrophen durch den Klimawandel sind ein großes Thema.

Stieg: Die neuen Risiken sind oft nur noch schwer einschätzbar bzw. völlig unbekannt. Andere Länder setzen auf eine gesetzliche Pflichtversicherung. Aus unserer Sicht auch für Österreich ein sinnvoller Weg.


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