Nach Rechtsstreit: Verwirrung um Sperre von Liegewiese am Reintaler See

Viele Anfragen von Badegästen, nachdem wegen eines Rechtsstreits eine Wiese gesperrt ist. Besitzergemeinschaft: „Andere Seezugänge sind offen.“

So präsentierte sich am Wochenende die Liegewiese beim Camping Seehof am Reintaler See. Ein Elektro­zaun sperrt Tagesgäste aus.
© Otter

Von Wolfgang Otter

Kramsach – Die Botschaft vom Kramsacher Reintaler See ist eindeutig: „Der Badestrand Fischerstube und die vier Seezugänge des Landes Tirol sind wie bisher offen und Badegäste sind herzlich willkommen“, so Christine Fischer-Lode und Michael Geiger, beides See-Mitbesitzer am Reintaler See. Seit beim Campingplatz Seehof im Osten des Gewässers eine Liegewiese und ein Badezugang für die Öffentlichkeit von Mitbesitzer Alois Brunner gesperrt wurde, gab es unzählige Anfragen zu diesem Thema bei den Seenbesitzern. Immerhin ist der Reintaler See ein bis nach Innsbruck beliebtes Badegewässer.

Auch beim Land Tirol klingelte das Telefon. Hintergrund dafür ist, „dass seit den 1970er-Jahren das Baderecht am Reintaler See an das Land Tirol verpachtet ist, zudem besteht eine Bademöglichkeit beim Restaurant Fischerstube, das auch einen Bootsverleih und die Fischerei betreibt. Der laufende Pachtvertrag mit dem Land Tirol besteht bis zum Jahr 2030. Ziele dieser Vereinbarung der Miteigentümer mit dem Land Tirol sind es, den Menschen einen geregelten Zugang zum beliebten Badegewässer anzubieten und gleichzeitig den Erholungsraum möglichst naturnah für kommende Generationen zu erhalten“, erklären Fischer-Lode und Geiger.

„Nur ein Miteigentümer, Alois Brunner, der 5,21 Prozent am Reintaler See sein Eigen nennt, hat nun seine Liegewiese für die Tagesgäste mit einem Elektroweidezaun gesperrt“, stellten die beiden klar.

Die TT berichtete über den Rechtsstreit, der seinen Niederschlag im Kramsacher Gemeinderat fand und die Neugestaltung eines Wanderweges um den See sowie einen von dort zum Höfemuseum blockieren. „Auslöser war der seit 2015 bestehende neue Pachtvertrag mit dem Land Tirol, den Alois Brunner kategorisch abgelehnt hat, der aber laut Oberstem Gerichtshof gültig abgeschlossen ist. Seit 2015 bewirtschaftet Brunner eine Liegewiese selbst und hebt das Entgelt für das Baden von den Gästen ein, ohne die Miteigentümer an den Einnahmen irgendwie zu beteiligen. Dies ist in einer Gemeinschaft bedauerlich“, erklären die beiden. Der Campingplatzbetreiber habe bisher alle Vergleichsangebote, „die fair und angemessen waren, ausgeschlagen“, erklären Christine Fischer-Lode und Michael Geiger.

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Die Miteigentümer fühlen sich berechtigt, einen „ohnehin bescheidenen Anteil an seinen Einnahmen für die Benützung des gesamten Reintaler Sees zu verlangen. Bedeutet doch das Baden zwangsläufig eine Beeinträchtigung der Fischerei. Zudem profitiert auch Brunner von der umsichtigen Betreuung und Verwaltung des gemeinsamen Eigentums, von der oft schwierigen Regulierung des Wasserstandes und von der Bedienung und Wartung der künstlichen Seeabflussanlage. Diese muss ein bis zwei Mal täglich von Schilf, kleinen Ästen, Seerosenblättern, anderem Blattwerk und leider auch Müll gereinigt werden“, so die Mitbesitzer.

Brunner wollte den Pachtvertrag mit der Gemeinde für einen Wanderweg und einen Radweg auf seinem Grund mit der Forderung der Mitbesitzer verknüpfen. Gemeinde (und Tourismusverband) hätten sofort 3600 Euro jährlich bezahlen sollen, die Brunner an die restlichen Miteigentümer überwiesen hätte. Der Gemeinderat winkte jedoch ab. Geld gibt es erst, wenn der Weg gebaut ist. Daher sperrte Brunner seine Liegewiese für Nichtcampinggäste und hievte damit den Streit auf die nächste Stufe.

Fischer-Lode und Geiger halten abschließend fest: „Es war, ist und wird immer unser Bestreben sein, den Reintaler See der Erholung suchenden Bevölkerung als gesunden Naturraum zur Verfügung zu stellen. Denn, lebensnah und mit Vernunft betrachtet, sind wir lediglich zeit unseres Lebens Verwalter eines wertvollen Teiles Tiroler Natur.“


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