Sperrstunde für „oben ohne“ in Kärnten: Maskenpflicht in Tirol noch kein Thema

In touristischen Hotspots rund um die Kärntner Seen wird ab morgen die Tragepflicht für Masken wieder eingeführt. Sie gilt von 21 bis 2 Uhr. In Tirol ist das noch kein Thema.

In Velden am Wörthersee gilt ab morgen zwischen 21 und 2 Uhr die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Raum zu tragen.
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Klagenfurt, Innsbruck – Dichtes Gedränge, kaum Masken und erst recht keine Spur von Abständen in der Dimension eines Babyelefanten. Die Politik in Kärnten hat nun auf die Szenen rund um das feiernde Partyvolk in Velden am Wörthersee reagiert und mit Freitag die Maskenpflicht für den öffentlichen Raum im Bereich touristischer Hotspots wieder eingeführt. Sie wird in den Abend- und Nachtstunden von 21 bis 2 Uhr gelten. Mund-Nasen-Schutz muss demnach in Velden und an anderen Orten auf der Straße und vor den Lokalen getragen werden. In den Lokalen und den Schanigärten gilt die Maskenpflicht nicht. Kontrolliert werden soll die Einhaltung der Regeln von der Polizei. Sie soll Gäste und Passanten auf die Maskenpflicht aufmerksam machen.

📽 Video | Abendliche Maskenpflicht in Hotspots:

Die Definition der Hotspots, an denen die Maskenpflicht gelten soll, obliegt den Bezirkshauptmannschaften. Fix ist, dass diese in Velden gelten wird, über den Faaker See sei noch nicht entschieden. Auch in anderen Bezirken standen definitive Entscheidungen zunächst noch aus. Von der Landespolitik wurden Wörthersee, Faaker See und Klopeiner See genannt.

Kärntens Tourismuslandesrat Sebastian Schuschnig (ÖVP) erklärte gestern, man wolle sich die Marke „Sicherer Süden“ nicht kaputtmachen lassen. „Velden soll nicht zum Sommer-Ischgl werden“, so Schuschnig. Zuletzt habe es Berichte über Menschenansammlungen ohne Abstand und Klagen von Wirten gegeben. Die abendliche Maskenpflicht sei eine präventive Maßnahme, um Infektionen zu verhindern. Man habe gehofft, dass die Eigenverantwortung greife, musste jedoch feststellen, dass eindringliche Appelle nicht ausreichten, um Menschenansammlungen zu verhindern, in denen weder auf Abstands- noch Hygieneregeln geachtet werde, so der Landesrat. Wirte und Mitarbeiter seien zuletzt verbal und sogar körperlich von Gästen attackiert worden, wenn sie auf die Einhaltung der Regeln pochten.

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Von einer regionalen Verordnung der Maskenpflicht scheint man hingegen in Tirol noch weit entfernt zu sein – trotz zuletzt leicht steigender Infektionszahlen. „Wenn die Zahlen hier so bleiben und kein Herd entsteht, dann wird das auch nicht notwendig sein“, meint Josef Hackl, Obmann der Sparte Tourismus in der Tiroler Wirtschaftskammer. Sollte sich an dieser Lage etwas ändern, dann müsse man die Situation aber natürlich neu beurteilen.

Vorerst keinen Bedarf für eine regionale Maskenpflicht in Tirol sieht auch Seefelds Bürgermeister Werner Frießer: „Der Sommertourismus bei uns ist nicht mit dem rund um die Kärntner Seen vergleichbar.“ In Tirol werde man sich dann in der Wintersaison in den klassischen Après-Ski-Gemeinden – zu denen Frießer Seefeld nicht zählt – diese Frage stellen müssen. Grundsätzlich stehe er dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes aber positiv gegenüber, weil dadurch die Menschen laufend an das Virus erinnert würden. So habe beispielsweise ein Seefelder Hotelier entschieden, dass die Angestellten seiner Häuser vorerst weiterhin Masken tragen sollen. (APA, np)

In Öffis sinkt Maskenmoral: Strafen kann nur die Polizei

Obwohl der Mund-Nasen-Schutz in öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht ist, berichten Fahrgäste über immer mehr mitfahrende Maskensünder. „Wir haben Rückmeldungen, dass Leute die Masken gar nicht mehr mithaben“, sagt Stefanie Kozubek, Pressesprecherin des Verkehrsverbundes Tirol (VVT). Wenn Busfahrer darauf aufmerksam machen, „wird oft mit einem gewissen Unverständnis reagiert. Aggressionen gegen Buslenker wie in Frankreich gab es Gott sei Dank nicht.“

Der VVT wird nun erneut z. B. „in den sozialen Kanälen auf die Maskenpflicht aufmerksam machen“. Auch in den Zügen sinkt die Maskenmoral, wie TT-Leserbriefschreiber berichten. „Wir arbeiten aktuell daran, die Durchsagen zu verdichten, und bereiten neue Werbeclips vor“, so der ÖBB-Pressesprecher für Tirol und Vorarlberg, Christoph Gasser-Mair. Aber in den Öffis gilt: „Strafen können wir nicht, das darf nur die Polizei.“


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