„Abstoßend, widerwärtig“: Ruf nach Rücktritt von Schnedlitz

SPÖ, Grüne und NEOS sind wegen „Unkrautbekämpfungsmittel“-Sagers von FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz empört.

„Einen Tiefpunkt in der Sprache“ ortet NEOS-Donig.
© APA

Wien – „Ein Unkrautbekämpfungsmittel, das das Problem bei der Wurzel – nämlich der ungezügelten Zuwanderung – packt, ist nötig.“ Das hat FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz im Interview mit der Tiroler Tageszeitung konstatiert – bezogen auf die Angriffe türkisch-nationalistischer Gruppen auf linke, prokurdische Aktivisten in Wien-Favoriten.

„Was Schnedlitz da abgesondert hat, ist Nazi-Sprache, abstoßend und widerwärtig“, befindet SPÖ-Manager Christian Deutsch. „Dass sich die FPÖ als ‚Unkrautbekämpfungsmittel‘ gegen Menschen sieht, die zugewandert und geflüchtet sind, ist bestialisch – und nichts anderes als eine indirekte Massenmord-Drohung.“ Schnedlitz sollte von seinen Polit-Ämtern lassen. Die SPÖ-Sprecherin für Gedenkkultur, Sabine Schatz, und Nurten Yilmaz, Integrationssprecherin der Roten, „erwarten“, dass sich FPÖ-Chef Norbert Hofer – er ist auch Dritter Nationalratspräsident – von Schnedlitz’ Aussage „distanziert“: „Wie ist das mit Ihrem Durchgriffsrecht für Parteiausschlüsse bei ‚rechten Ausrutschern‘ von FPÖ-Mitgliedern, Herr Hofer? War das nur ein PR-Gag?“

Eva Blimlinger, Historikerin und Kultursprecherin der Grünen, urteilt: „Diese Aussagen sind menschenverachtend und stehen in der Tradition einer nationalsozialistischen Rhetorik und Politik, die auf das Schärfste zurückzuweisen ist.“ Diese Rhetorik und Politik „haben zur Massenvernichtung geführt. Selbstverständlich haben Personen wie Schnedlitz bei solchen Äußerungen sofort zurückzutreten.“

NEOS-Generalsekretär Nick Donig sagt: „Der brutale Kampf um das rechtsnationalistische Wählerpotenzial zwischen ÖVP und FPÖ führt zu einem neuen Tiefpunkt in der politischen Sprache.“ Diese „menschenverachtende Sprache von ‚Unkraut‘ und ‚Vernichtung‘ hat in unserer Gesellschaft und in der Politik nichts verloren.“

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Replik des Wiener FPÖ-Obmanns Dominik Nepp in Richtung SPÖ: Deren „Scheinheiligkeit“ sei „nicht zu überbieten“. Diese wolle mit Kritik an Schnedlitz „von eigenem Multikulti-Versagen ablenken“. (kale)


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