Achenseebahn: 100.000 Euro stehen am Abstellgleis

Bei der Achenseebahn sorgen In-sich-Geschäfte über Jahre, hohe Beratungskosten oder angekaufte Triebwagen ohne Verwendung für Diskussionen.

Die Achenseebahn dampft in eine ungewisse Zukunft.
© Fankhauser

Von Peter Nindler

Jenbach – Dass für den Fortbestand der Achenseebahn mindestens zehn Millionen Euro in die Infrastruktur investiert werden müssen, ist unstrittig. Das Land gewährleistet derzeit nur den Teilbetrieb mit monatlich 50.000 Euro, damit die Konzession nicht verlorengeht. Erst nach Abschluss des Konkursverfahrens wird eine Entscheidung getroffen. Die Politik denkt dabei an eine Auffanggesellschaft. Nachdem das Land in der Vorwoche die Stopptaste gedrückt und die ursprünglich zugesagten 3,4 Mio. Euro „eingefroren“ hat, werden immer mehr Einzelheiten über die inneren Verhältnisse in der Achenseebahn-Aktien­gesellschaft bekannt. Zum Teil gab es massive finanzielle Belastungen. Und viele Fragezeichen stehen auch hinter manchen Entscheidungen im Aufsichtsrat oder im Vorstand.

Auffallend sind jedenfalls die hohen Beratungskosten seit 2013 von rund 240.000 Euro. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Rudolf Sommerer war nicht erst seit 2019 als „technischer Konsulent“ mit monatlich 3000 Euro bei der Bahn tätig, sondern bereits seit 2016. „2019 wurde meine Arbeit dann pauschaliert, zuvor habe ich einzeln abgerechnet“, sagt Sommerer. Eine Befangenheit oder gar ein In-sich-Geschäft erkennt er darin nicht, „schließlich wurde das im Aufsichtsrat so beschlossen“. Davon weiß hingegen der Jenbacher Bürgermeister Dietmar Wallner nichts.

Teuer kam die Bahn schließlich ein Vergleich mit einer Sekretärin im Jänner 2017, der aus „prozessökonomischen Gründen“ abgeschlossen wurde. Ihr wurde ein Jahresgehalt von 90.000 Euro (!) bezahlt, das unkündbare Dienstverhältnis damit beendet.

Wellen schlagen indes die 2018 von den Appenzeller Bahnen angekauften fünf gebrauchten Trieb- und Steuer­wagen, die auf einen Elektrobetrieb umgerüstet werden sollten. Sie waren zwar ein Schnäppchen, weil sie lediglich 2500 Euro pro Stück gekostet haben, aber der Transport von der Schweiz nach Tirol wurde zum finanziellen Fiasko. Rund 80.000 Euro soll er gekostet haben. Inklusive Ankauf musste die Achenseebahn rund 100.000 Euro hinblättern. Bestellt hat die Fahrzeuge der Ende 2019 ausgeschiedene Bahnvorstand Georg Fuchshuber. Einen Aufsichtsratsbeschluss dazu soll es jedoch nicht gegeben haben, über die Vorgangsweise wird deshalb heftig diskutiert.

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Was passiert jetzt mit den Schweizer Garnituren, die seit knapp zwei Jahren auf dem Abstellgleis stehen? „Wir prüfen, ob wir sie einsetzen können. Aber die Voraussetzungen dafür haben sich geändert“, sagt der aktuelle Achenseebahn-Vorstand Martin Uhlig gegenüber der TT.


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