Verteidigungsministerin Tanner lässt bei den Fliegern alles offen

Der Verzicht auf Trainingsjets wirft viele Fragen auf. Vor allem ist ungewiss, ob das Ziel eines Ausstiegs aus dem Eurofighter realistisch ist.

Österreich war der erste Exportkunde für den Eurofighter. Jetzt will Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) aus dem Kaufvertrag aussteigen.
© APA

Von Wolfgang Sablatnig

Wien –Georg Mader, Korrespondent der internationalen Militärzeitschrift Jane’s Defence, vermutet, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist: Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) hat entschieden, dass die alten Saab-105-Trainingsjets des Heeres mit Jahresende ersatzlos abgestellt werden. Für die Luftraumüberwachung bleiben nur die Eurofighter. Doch auch von diesen will sich Tanner verabschieden und lässt daher Ersatz prüfen.

Für Mader ist dieser Weg jedenfalls ungewöhnlich. Tanner sagte, auch Nachbarländer setzen nur auf einen Flugzeugtyp – eine Flotte. Maders Zusammenschau zeigt ein anderes Bild (siehe Grafik): Zwar verwenden tatsächlich die meisten Länder nur einen Flugzeugtyp für die Überwachung des Luftraums. Die Nachbarn verfügen allesamt aber auch über zweisitzige Maschinen. Und mit Ausnahme Ungarns haben alle auch einen weiteren Typ für Trainingszwecke. Österreich hingegen verbleiben nur die 15 Eurofighter. Und diese sind alle Einsitzer.

Die Ausbildung ist für den Militärpublizisten ein zentrales Stichwort. Derzeit werden österreichische Piloten zuerst auf der Saab 105 geschult, später setzen sie ihre Ausbildung in Italien und Deutschland fort. Fällt der erste Teil weg, werde das neutrale Österreich zur Gänze von NATO-Staaten abhängig, kritisiert auch die Opposition.

Der schwedische Gripen war schon 2001 Thema. Ungarn und Tschechien fliegen geleaste Maschinen dieses Typs.
© AFP/Kiran

Österreich verfügt derzeit über 16 Piloten für die 15 Eurofighter. Diese müssen sich regelmäßig strengen Gesundheitschecks unterziehen. Zwei weitere Piloten sind in Ausbildung. Derzeit ist aber ungewiss, wann sie nach der Corona-Pandemie nach Italien zurückkehren können.

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Tanners Ziel ist aber ohnehin die „Rückabwicklung“ des Eurofighter-Vertrags. Dies hat sie sich vom Ministerrat bestätigen lassen. Hintergrund sind die Betrugs- und Korruptionsvorwürfe gegen Eurofighter und den Mutterkonzern Airbus. Die Justiz prüft Sachverhaltsdarstellungen der Republik. Die Verteidigungsministerin hofft, dass am Ende die Möglichkeit für den Ausstieg aus dem Vertrag stehen könnte. Auch Wolfgang Peschorn, Chef der Finanzprokuratur und damit Anwalt der Republik, gibt sich zuversichtlich.

Gleichzeitig findet sich im Ministerratsvortrag Tanners der Auftrag, eine „Überbrückungslösung mit Leasing-Modell“ zu prüfen. Ein Kandidat dafür wäre der schwedische Gripen. Dieses Modell war bereits 2002 der letzte Konkurrent des Eurofighters. Heute fliegt der Jet in Tschechien und Ungarn. Und man wäre weiterhin an einem Deal mit Österreich interessiert, bestätigt man bei Saab.

Was sind andere Optionen?

Als Überschall-Jet nennt Mader die US-amerikanische F-16. Zuletzt habe sich der damalige Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) bei US-Stellen für Details eines Deals interessiert. Offen ist die Verfügbarkeit.

Tanner selbst schließlich hat öffentlich gemacht, dass sie mit ihrer Schweizer Kollegin Viola Amherd über eine Neuauflage des Leasings von F5-Jets aus der Schweiz gesprochen hat. Seither ist es um diese Variante ruhig geworden. Die Flieger sind angesichts des hohen Alters der Maschinen ohnehin skeptisch.

Die Ministerin will die verschiedenen Optionen in einer parlamentarischen Enquete mit der Opposition besprechen. Bleibt die Frage, wann der Ausstieg aus dem Eurofighter überhaupt spruchreif werden könnte. Eine einvernehmliche Lösung lehnt Tanner ab. Die Gerichtsverfahren können aber Jahre dauern. Peschorn hofft bis Mitte 2021 zumindest auf eine „Wegmarkierung“.

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