„Schlimmstenfalls bricht sich der Flügel den Haxn“: Open-Air-Kino im Zeughaus

Im August wird der Zeughaushof zur italienischen Piazza für „coronarrisches“ Spektakel, große Geschichten und großartige Musik.

Marcello Mastroianni in Federico Fellinis „Achteinhalb“ – und am 22. August im Zeughauskino.
© www.imago-images.de

Von Joachim Leitner

Innsbruck – Bis 22. Juli wird im Zeughaushof Theater gespielt. Danach wird das einst hochherrschaftliche Waffenlager zur italienischen Piazza. Wie berichtet, wird das traditionelle Open-Air-Kino heuer stattfinden. Die Organisatoren, Treibhauschef Norbert Pleifer und Dietmar Zingl vom Innsbrucker Leokino, trotzen der Corona-Not eine cineastische Tugend ab und feiern das italienische Kino.

„Wir wollen aus unserer eigenen Italienverliebtheit eine große Geschichte mit Musik formen“, sagt Norbert Pleifer. Eine Nebenwirkung des „Hundsvirus“ sei, „dass wir uns heuer einen Traum erfüllen können“, so Pleifer. „Keine Deals, keine Kompromisse, kein Zwang, kommerziell erfolgreich zu sein, nur Wahnsinnsfilme und das gemeinsame Warten darauf.“

Finanziert wird das „coronarrische Sommerspektakel“ von denen, die sich mit dem, was sie noch übrig haben, über den Treibhaus-Katastrophenfonds die Sterne fürs Kino darunter kaufen. Und von Josef Hader und Alfred Dorfer, die zum Start am 31. Juli „Indien“ lesen. Als Eröffnungsredner kommt mit Michael Köhlmeier ein dritter Geschichtenerzähler von Format. Für die Eröffnung werden Kaufkarten aufgelegt. Alle anderen Abende finden bei freiem Eintritt statt. Bis zu 400 Besucher sind erlaubt. Die Plätze müssen vorab reserviert werden.

Er habe Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne) als „Sponsorenkeiler“ engagiert, sagt Pleifer – und manchem namhaften Finanzier bereits absagen müssen. „Nicht kommerziell heißt auch nicht korrumpierbar“, stellt er klar. „Sollte uns irgendwann das Geld ausgehen, versetz’ ich meinen Steinway“, so Pleifer. Ob das Klavier im gesperrten Treibhausturm verstaubt oder beim Pfandleiher, sei „auch schon Wurst“.

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Die Bühne vor und die Zeit bis zum Film gehört heuer der Musik. 30 Konzerte sind angesetzt: Giorgio Conte wird kommen, die sardische Sängerin Elena Ledda und Akkordeonvirtuose Riccardo Tesi. „Die Konzerte“, sagt Pleifer, „sind weder Vor- noch Rahmenprogramm, sondern gleichberechtigter Teil unserer italienischen Abende.“ Für „italianitá“ sollen auch die Ordner sorgen. Theaterausstatterin Esther Fromann hat Carabinieri-Uniformen organisiert. Ein Sicherheitskonzept gibt es. Oberste Voraussetzung sei aber, „dass sich jeder rücksichtsvoll verhält“, sagt Leokino-Geschäftsführer Dietmar Zingl. Zingl hat die 30 Filme fürs Zeughaus organisiert. Klassiker – etwa „Rom, offene Stadt“ und „Fahrraddiebe“–, aber auch Premieren. Marco Bellocchios neuer Film „Il Traditore“ zum Beispiel. Adriano Celentano gibt den Affen Zucker. Massimo Troisi tritt als „Il Postino“ in die Pedale. Federico Fellini, der heuer seinen Hunderter gefeiert hätte, wird gleich mehrfach gedacht. Gleich zu Beginn mit „La Strada“, später folgen unter anderem „La dolce vita“ und „Achteinhalb“.

Zum Finale wird aller Italienverliebtheit zum Trotz fremdgegangen: „Ohne den Griechen geht es nicht“, sagt Norbert Pleifer. „In 25 Jahren Kino unter den Sternen haben wir einmal auf ,Alexis Sorbas‘ verzichtet – und wurden dafür mit Dauerregen bestraft.“ Von Sorbas habe man sich das Motto für das heurige Zeughaus-Spektakel geliehen: „Did you ever see a more splendiferous crash?“, will der von Anthony Quinn gespielte Grieche in einer Szene wissen – ob man jemals einen so bildschönen Zusammenbruch gesehen hat. „Auch für uns ist heuer etwas zusammengerumpelt“, sagt Norbert Pleifer, „aber schlimmstenfalls bricht sich nur der Flügel den Haxn.“


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