Ausstellung in Schwaz: Die vielen Facetten einer königlichen Disziplin

„Am Anfang war die Zeichnung“, behauptet eine Schau im Schwazer Rabalderhaus anhand von 59 Arbeiten aus einer Tiroler Privatsammlung.

„Akt mit Strümpfen“, um 1923 entstandene Rötelzeichnung von Artur Nikode­m, seine junge Muse darstellend.
© johannes plattner

Von Edith Schlocker

Schwaz – Die Zeichnung ist die chronisch tiefstapelnde „Königin“ der künstlerischen Disziplinen. Um allein schon durch ihr oft kleines Format und die Reduktion der materiellen Mittel im Schatten der auf einen ersten Blick wesentlich spektakulärer daherkommenden Malerei oder Bildhauerei zu stehen. Eine Geringschätzung, die die Zeichnung allerdings nicht verdient, wie die von Günther Dankl im Schwazer Rabalderhaus gemachte Ausstellung schön vorführt.

Eine kuratorische Arbeit, die in diesem Fall ein reines Vergnügen gewesen sein muss, konnte sich Dankl doch aus einer hochkarätigen Tiroler Privatsammlung genau die Blätter auswählen, die in sein Konzept passten. Was angesichts der Namen, um die es sich da handelt, wohl eher eine Frage der Qual der Wahl als der künstlerischen Qualität gewesen sein muss.

Die Vorliebe des Sammlers für das Gegenständliche sowie den Menschen ist unübersehbar. Die Grenze definiert diesbezüglich eine Tuschzeichnung von Max Weiler von 1953, in der die Natur zum fast abstrakten Kürzel reduziert ist, im Gegensatz zu Weilers fast 20 Jahre älteren „Bäumen im Winter“, die in atmosphärischer Verdichtung noch ganz dem Abbildhaften verpflichtet sind.

Die älteste in der Schau präsentierte Zeichnung ist ein wunderbar klares, fast wie gemalt daherkommendes Knabenporträt von Ignaz Stolz, die jüngsten sind von Lois Anvidalfarei. Zwei wie hingehaucht anmutende menschliche Torsi, fein mit Bleistift gestrichelt aus komplett unterschiedlichen Perspektiven.

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Fatal an die Kunst von Gustav Klimt erinnert die um 1904 datierte „Frau mit Panther“ von Josef Maria Auchentaller, einem zu Unrecht völlig in Vergessenheit geratenen Vertreter des Wiener Jugendstils. Eines der Highlights der 59 grafischen Leckerbissen ist aber unzweifelhaft Artur Nikodems um 1923 in Rötel gezeichneter „Akt mit Strümpfen“. Formal delikat als Liebeserklärung an seine junge Geliebte zelebriert. In der Zerbrechlichkeit, in der er sie skizziert, gerade so, als würde er ahnen, dass sie früh sterben wird.

Manche Künstler, etwa Albin Egger-Lienz mit einer sehr akademischen Skizze eines „Wallfahrers“, tauchen in der Schau nur mit einer Arbeit auf, andere, wie Wilhelm Nikolaus Prachensky, vielfach. Als seine Handschrift immer wieder wandelnder Zeichner und Aquarellist, der sich mehr und mehr von sezessionistischen Einflüssen befreit, um sich selbst 1920 als expressives Puzzle farbiger Flecken zu porträtieren. Eine Klasse für sich sind der zeichnende Rudolf Wacker genauso wie Ernst Nepo oder Alfons Graber.

Einer der galeristischen Räume ist Künstlern gewidmet, die eine besondere Verbindung mit Schwaz hatten. Für sie wurde eine Ausnahme gemacht, indem die Beschränkung der gezeigten Arbeiten auf solche auf Papier aufgehoben wurden. Was dem Besucher u. a. den Genuss der 1932 von Christian Hess fabelhaft gemalten „Drei Modelle“ und Kirschls „Stillleben mit Kaffeemühle und Metronom“ von 1989 sowie Sepp Orglers „Schwangeres Mädchen“ beschert, das allerdings mit Kohle gezeichnet ist.


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