Breite Strategie: Die Stadt Innsbruck stellt sich den Folgen des Klimawandels

„Coole“ Plätze, klimafitte Wälder, Nachbarschaftshilfe: Mit einer breiten Strategie will die Stadt auf bereits spürbare Klimafolgen reagieren.

Neben dem Kampf gegen den Klimawandel setzt Innsbruck auch auf eine Anpassung an nicht mehr umkehrbare Folgen der Klimakrise.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Der globale Klimawandel ist längst ein Faktum. Für Politik und Gesellschaft gilt es daher einerseits, konsequente Klimaschutzmaßnahmen zur Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes umzusetzen. Dazu kommt aber andererseits eine zweite, ebenso wichtige, jedoch weniger bekannte Säule – die Auseinandersetzung mit den schon jetzt spürbaren, nicht mehr rückgängig zu machenden Auswirkungen der Klimakrise.

Auch die Landeshauptstadt Innsbruck hat sich daher nicht nur zu ehrgeizigen Klimaschutzzielen verpflichtet, sondern sich auch intensiv mit der „Klimwandelanpassung“ beschäftigt: Ein Jahr lang haben alle Abteilungen des Magistrats gemeinsam mit Vertretern der städtischen Unternehmen, Verkehrsbetrieben, Vereinen und Uni eine umfassende Risiko- und Klimafolgenanalyse durchgeführt und darauf aufbauend Maßnahmen erarbeitet. Ergebnis dieses – vom Land unterstützten – Prozesses ist die „Strategie zur Anpassung an den Klimawandel in Innsbruck“, die der Stadtsenat im Juni beschlossen hat.

„Anpassung heißt nicht, dass wir resignieren, sondern dass wir wissen, was uns aller Wahrscheinlichkeit nach erwartet und dass wir mit diesen Tatsachen umgehen wollen“, erklärt Christine Schermer vom Amt für Verkehrsplanung und Umwelt, die die vielen Workshops mit bis zu 70 Teilnehmern geleitet hat.

„Anpassung heißt nicht, dass wir resignieren, sondern dass wir mit den Tatsachen umgehen wollen", sagt Christine Schermer
 (Umweltamt, l.). „Beim Thema Klimwandelanpassung ist Innsbruck vorne mit dabei, auch im internationalen Vergleich", meint Daniela Hohenwallner-Ries 
(Klimaexpertin, alpS, r.).
© Domanig

Klimarisiken wie Trockenheit, Dürreschäden oder Waldbrände wurden für Innsbruck ebenso eingehend erhoben wie etwa Infrastruktur- und Ausfallrisiken oder – topaktuell – Pandemien.

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Die daraus abgeleitete Strategie betrifft nun praktisch alle Aspekte des städtischen Lebens, wie Daniela Hohenwallner-Ries, Expertin für Klimafolgen- und Anpassungsforschung beim Beratungsunternehmen alpS, erklärt. Das beweist auch der – auf der Strategie aufbauende – „Aktionsplan 2020/21“ mit 15 konkrete Maßnahmen. Einige von ihnen sind schon in Umsetzung: Dazu zählt das Projekt „Cool-INN“, gefördert vom Klima-und Energiefonds: Dabei sollen urbane Hitze­inseln mittels Wasser (z. B. Sprühnebel) und Bepflanzung gekühlt werden. Experimentierfeld dafür sind Platz und Park bei der Messe in der Ing.-Etzel-Straße.

Hier handelt es sich um ein Beispiel für sog. „blaue“ Maßnahmen (alles, was mit Wasser zu tun hat). „Graue“ Maßnahmen sind technischer Natur – Stichwort Hochwasserschutz an Inn, Sill und Seitenbächen – , „smarte“ Maßnahmen betreffen Bewusstseinsbildung und Aufklärung.

„Grüne“ Aspekte spielen natürlich ebenfalls eine zentrale Rolle, allen voran ein „klimafitter“ Wald im Stadtgebiet. Konkret soll der Aufbau von Mischwald forciert werden. Auch den Trend zum Urban Gardening, speziell zu Hochbeeten, möchte die Stadt aktiv unterstützen, z. B. durch die langfristige Vergabe bzw. das Freihalten von Flächen. Die Innsbrucker Verkehrsbetriebe wiederum haben bei ersten Haltestellen mit Dächerbegrünung begonnen.

Teil von Strategie und Aktionsplan sind aber auch Aspekte, die man als Laie nicht sofort mit dem Thema Klimawandel verbinden würde: In Kooperation mit Alpenverein und TVB möchte sich die Stadt etwa für die Sicherung des Innsbrucker Wanderwegenetzes einsetzen, das durch Starkregen, Trockenheit und Frost-Tau-Wechsel immer stärker beansprucht wird.

Ungewöhnlich ist das städtische Projekt „Einzugsbegleitung XL“: Dieses soll u. a. ein Bewusstsein für Bevölkerungsgruppen schaffen, die bei Hitze besonders gefährdet sind und Nachbarschaftshilfe fördern – so dass ältere Menschen an Hitzetagen z. B. nicht selbst einkaufen gehen müssen. Die Covid-19-Krise habe gezeigt, „was hier möglich ist“, meint Schermer.

Beim Thema Klimawandelanpassung sei Innsbruck jedenfalls, auch im internationalen Vergleich, „vorne mit dabei“, lautet das optimistische Fazit von Hohenwallner-Ries. „Da ist viel in Bewegung geraten.“ (md)


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