TBC-Bekämpfung: Massive Kritik an Jägern und Abwerzger

Die TBC-Bekämpfung wird zum Politikum, weil FPÖ-Chef Abwerzger Außerferner Berufsjäger in ihrem Vorgehen gegen die Abschusspläne politisch und juristisch vertritt.

Die Lechtaler Jäger nehmen die Jagdabschusspläne ins Visier. Das Land schießt jetzt scharf zurück.
© APA (Symbolbild)

Innsbruck – Es sind zwei Welten: Die Berufsjäger im Lechtal gehen aktuell mit Maßnahmenbeschwerden gegen die ihrer Meinung nach zu hoch festgesetzten Abschussvorgaben in ihren Revieren vor. Wie berichtet, stützen sie sich auf ein Gutachten der Wildbiologin Christine Miller. Im Land schüttelt man darüber hingegen nur den Kopf.

Auch das Gesundheitsministerium hat in einer Stellungnahme zu Kaisers bereits Klartext gesprochen: „Das betroffene Gebiet Kaisers liegt in der Überwachungszone des Tiroler Seuchengebietes und hat sich der Bekämpfung der Rotwild-TBC insofern entzogen, als dass die Abschussvorgaben (Grundlage Rotwild-TBC-Verordnung) in den Jahren 2015 bis einschließlich 2018 (Tiefstand 2018: 61 %) nur sehr mangelhaft und jedenfalls in einem für die Seuchenbekämpfung unzulänglichen Ausmaß erfüllt wurden.“

Agrar- und Jagdreferent LHStv. Josef Geisler (VP) wiederum wirft den Jägern im Lechtal und den Bürgermeistern von Kaisers und Elbigenalp vor, dass ihnen 5000 Euro Jagdpacht mehr wert seien als die Gesundheit der Menschen. „Die Abschusspläne werden von der Behörde nicht willkürlich festgelegt. Für mich ist nicht nachvollziehbar, dass gerade diejenigen dagegen vorgehen, die die Abschussquoten seit Jahren nicht erfüllen.“

Gerade diejenigen gehen gegen die Abschusspläne vor, die sie nicht einhalten.
LHStv. Josef Geisler, VP (Agrarreferent)

Dass die Jäger u. a. von FPÖ-Chef Markus Abwerzger juristisch vertreten werden, bringt SPÖ-Vorsitzenden Georg Dornauer auf die Palme. „Abwerzger soll sich in dieser Frage nicht so aufspielen, weil er weder von der Erlegung eines Rotwildes noch von der Braunviehzucht den geringsten Tau hat.“ Wenn ein positiver TBC-Verdachtsfall in einem Rinderstall festgestellt wird, kommt es zur Keulung des gesamten Bestandes. „Die Gatterjagd wäre nicht notwendig gewesen, hätte sich die Jägerschaft bemüht, durch die tägliche Entnahme von drei bis vier Stück Rotwild dasselbe Ziel mit weniger Aufregung zu erreichen“, kritisiert er.

VP-Bauernbunddirektor Peter Raggl schlägt in dieselbe Kerbe wie Dornauer. „Es ist bedauerlich, dass sich manche nun vor den politischen Karren der FPÖ spannen lassen. Dass Abwerzger das Thema politisch hochschaukelt und in der Sache zugleich als Rechtsvertreter agiert, hat für mich zudem einen mehr als faden Beigeschmack.“ Außerdem scheinen Nutztiere im Gegensatz zu Wildtieren bei der FPÖ keinen hohen Stellenwert zu haben, so Raggl.

Der Tiroler Jägerverband will sich zum Aufstand im Außerfern nicht äußern. (pn)


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