Michael Ziegler und Franz Mölk: Zwischen Da- und Wegsein

Paarlauf von Michael Ziegler und Franz Mölk in der Galerie Rhomberg.

Michael Ziegler: „Drei Akte im Wald“, Öl auf Papier, 2014 (Ausschnitt).
© galerie rhomberg

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Franz Mölk und Michael Ziegler sind in gewisser Weise verwandte Seelen. Unternehmen doch beide gern Tauchgänge in seelische Gefilde, die beim 60-jährigen Ziegler allerdings beinahe so tun, als wären sie real, während bei dem um 13 Jahre älteren Mölk die Szenarien in theatralisch inszenierten Settings stattfinden.

Ideale Vorgaben für ein spannendes Duett, das die beiden derzeit in der Galerie Rhomberg aufführen. Wobei Ziegler aus seinem Fundus zehn, zum größten Teil noch nie gezeigte Arbeiten ausgesucht hat, zu denen Mölk seine „Partner“ gesellt. Etwa einen (Traum-)Tänzer mit verbundenen Augen als Pendant zu Zieglers in wunderbar subtilem Realismus gezeichnetem Eisläufer. In dem man unschwer den Künstler selbst erkennt, in seiner Nacktheit ausgesetzt dem Leben, das eines auf sehr dünnem Eis ist.

Während die Handschrift Mölks eine in ihrer Eleganz ganz typische ist, spielt Ziegler gern mit unterschiedlichen Sehweisen. Um sich auch immer wieder von filmischen Ästhetiken inspirieren zu lassen, etwa zu einem klassisch in Öl gemalten Vier-Personen-Stück. Dominiert von kräftigen Farben und expressivem Duktus, reizvoll kontrastierend zum farbig delikaten kleinen Mölk’schen Quadrat und dessen geheimnisvoll verklärter Geschichte nebenan.

Was beide Künstler mögen, ist das Spiel mit Uneindeutigem, der Zone zwischen Auftauchen und Verschwinden, Da- und Wegsein. Etwa in einem Bildchen Zieglers, in dem ein sehr konkret gemaltes Pferd vor einem diffus aus Flecken gepuzzelten Hintergrund steht. Ernst Ludwig Kirchner hat ihn 2014 dagegen zu seinen paradiesisch entrückten „Drei Akten im Wald“ inspiriert. Ein Bild, das außer dem Thema so gar nichts mit dem kunstvoll in Grisaille gemalten Sujet Mölks in direkter Nachbarschaft zu tun zu haben scheint.

Das kleine Format dominiert zwar diesen feinen Pas de deux bei Rhomberg, in dem aber auch ein fast 30 Jahre altes, relativ großes Waldbild Zieglers Platz hat. Das Flair ist hier surreal, die Idylle trügerisch. Ob hier der Moment vor oder nach dem Sturm festgehalten ist, ist die Frage, genauso wie die, ob im Bild nebenan der Augenblick zwischen Wachsein und Schlaf von Mölk eingefangen wurde. Wo ein komplett entrücktes Gesicht gerade aus einem diffusen Sfumato auf- oder vielleicht auch in dieses abtaucht.


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