Fahrverbot zur Oberbrunnalm: Radnetz stößt an Grenzen

Radtrend: Die Oberbrunnalm ist offiziell nicht befahrbar. Warum, fragen Beteiligte. Auch in anderen Orten rumort es.

Der Weg zur Oberbrunnalm ist derzeit für Mountainbiker nicht freigegeben.
© Lindenthaler

Von Sabine Strobl

Scharnitz, Patsch – Radfahrer lassen sich nicht lange bitten, sie kommen einfach und sind dann nicht immer legal unterwegs. Fritz Lindenthaler von der Oberbrunnalm kennt das Problem. Die Alm, wo Rinder ihre Sommerfrische verbringen und wo es eine Jausenstation gibt, steuern zahlreiche Radler an. Mit dem E-Bike-Boom umso mehr. Eine Runde über das Gleirsch- und Gießenbachtal ist für Radler wie Wanderer attraktiv. Aber über das Gießenbachtal herauf besteht ein Fahrverbot für Radler. Jetzt fragt sich Lindenthaler: „Sind wir andere Leute?“ Er werde immer wieder gefragt, warum gerade auf diesem Weg das Radfahren nicht erlaubt ist.

Es gab bereits Verhandlungen zwischen der Weggemeinschaft und dem Land, die Strecke ins Mountainbike-Modell Tirol aufzunehmen (für die freigegebenen Routen übernimmt das Land Haftpflichtfragen). Derzeit ruht die Sache.

© Lindenthaler

Es gilt Interessen und Bedenken mehrerer Weg­erhalter zu berücksichtigen. Isabella Blaha, Bürgermeisterin von Scharnitz, macht der „überbordende Verkehr“ auf den Strecken Sorgen. Wandernde Familien sind ebenso unterwegs wie Radfahrer und Bewirtschaftungsfahrzeuge: „Ich glaube, wir werden darüber reden müssen.“ Die Bundesforste verweisen in ihrer Stellungnahme auf die Gefahren dieses steilen Weges und auf fehlende Ausweichmöglichkeiten. Auch Eduard Hiltpolt, Amtsleiter der Gemeinde Seefeld und Wegmeister bis zur Abzweigung Oberbrunnalm, schätzt den Weg zur Alm als gefährlich ein. Zudem müsse die Aufsichtspflicht geklärt werden. Wie Hiltpolt informiert, haben die Jäger kaum Probleme mit dem Trend Radeln. Kritik lösen hier eher Nachtschwärmer zu Fuß oder am Rad mit Stirnlampen aus.

Im Rahmen des Tiroler Mountainbike-Modells entsteht seit 23 Jahren ein Wegenetz, das Radfahrern die legale Nutzung von Forst- und Almwegen ermöglicht. 6000 Mountainbike-Kilometer und 300 Kilometer Trails werden derzeit gezählt. Das Wandernetz umfasst 20.000 Kilometer. „Dass es im Naturpark illegales Radfahren gibt, ist kein Aushängeschild“, sagt Günther Zimmermann vom Tiroler Landschaftsdienst. „Das Haftungspaket wurde noch einmal verbessert.“ Derzeit gebe es von manchen Bestrebungen, das Gespräch wieder aufzunehmen. Zimmermann kommt gerade von einer anderen Baustelle. In Lans und Patsch spitzt sich die Situation auf den Waldwegen zu. Auch eine Potenzialstudie soll helfen, eine Lösung zu finden. Aus seiner Sicht fangen die vorhandenen Trails in Tirol den Ansturm nicht mehr ab. Ziel sei, durch breitere Angebote das Aufkommen zu lenken. Wichtig sei dabei, eigene Projekte für Wanderer wie etwa für Familien zu entwickeln. Zudem soll auf Information gesetzt werden: Einen nicht freigegebenen Steig zu befahren, „ist kein Kavaliersdelikt“, betont Zimmermann.

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Beliebte offizielle Radstrecken sind übrigens auf radrouting.tirol zu finden.


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