Feriencamps in Tirol: Spaß mit viel Händewaschen

Nach langer Ungewissheit dürfen Feriencamps doch stattfinden. Die Auflagen dazu waren erst spät klar. Ein Besuch in einer Sommerbetreuung in Rum.

Die Begeisterung bei den Kindern sowie Betreuern ist groß, dass im Sommer doch etwas los ist.
© Rudy De Moor

Von Elisa Mair

Innsbruck –Der erste Blick ins Pfarrheim Rum fällt zunächst ziemlich düster aus. Das Licht ist ausgeschaltet, die Rollos sind heruntergelassen. Nur das Gebrumme und Gekichere aus dem Inneren lassen darauf schließen, dass hier gerade einiges los ist.

Rund dreißig Kinder genießen diese Woche ein umfangreiches Programm, das die Betreuer im Vorfeld in Windeseile zusammengestellt haben. „Es war etwas turbulent“, gibt Stefanie Kluibenschädel zu, „weil wir nicht wussten, welche Auflagen gelten.“ Erst kurz vor Ferienbeginn legte die Regierung einen Leitfaden vor, der die Ferienbetreuung doch erlaubt. „Wir haben uns dann entschieden, die Woche ohne Übernachtung anzubieten“, so die Betreuerin.

Kinder und Betreuer hatten viel Spaß.
© Rudy De Moor

„Wo zuerst noch viel Unsicherheit herrschte, kommt jetzt richtig Schwung in die Jugendarbeit“, beobachtet Lukas Trentini die Situation. Er ist Teil der Geschäftsführung von POJAT, Plattform Offene Jugendarbeit Tirol. Obwohl Jugendzentren derzeit eigentlich zubleiben, sind sie diesen Sommer umso gefragter. „Viele Jugendliche suchen das Gespräch, weil sie verunsichert sind, wie es weitergeht bezüglich Schule, Lehre oder Job.“

Da die Wolken bis ins Tal hängen und ein Regenschauer auf den nächsten folgt, reisen die Kinder heute von Rum zu den Ägyptern. Das Pfarrheim wird dafür kurzerhand zur dunklen, nur mit Kerzen ausgeleuchteten Pyramide. Die zehn Betreuer huschen, verkleidet als Pharaonen mit goldener Krone oder Göttinnen mit langem, schwarzem Lidstrich, von einer Gruppe zur nächsten. Zu fünft oder zu sechst stecken die Kinder ihre Köpfe über den Tischen zusammen und grübeln über die Rätsel, die ihnen die Ägypter aufgetragen haben.

Durch den Stationenbetrieb ist genügend Abstand zwischen den Gruppen. Masken müssen keine getragen werden.

Jeden Tag tauchen die Sieben- bis Vierzehnjährigen in die Welt eines anderen Volkes ein und sammeln Edelsteine, damit sich am Ende der Woche die Schatztruhe öffnet. Corona bleibt immer Thema – am ersten Tag lernen sie von den Inuit, wie man sich die Hände richtig wäscht.

Es sind vor allem die Eltern, die erleichtert sind, dass es mit der Ferienbetreuung doch geklappt hat. „Viele haben ihren Urlaub aufgebraucht“, erklärt Pia Schäfer, Jugendleiterin der Diözese Innsbruck. Dass die Aktionswoche ein Highlight ist, ist kaum zu übersehen bzw. zu überhören, auch wenn es „voll blöd ist, dass wir nicht wie letztes Jahr übernachten können“, meint etwa die 14-jährige Melissa.

Am Ende der Aktionswoche öffnete sich die Schatztruhe.
© Rudy De Moor

Wie hoch der Bedarf an Betreuungsstätten gerade diesen Sommer ist, weiß auch Monika Mair vom Verein Kommunity in Wörgl. „Heuer müssen wir flexibel sein. Es kommen noch immer neue Kinder dazu.“ Stichtag wäre ursprünglich der 30. April gewesen, um sich für die Spiel-mit-mir-Wochen in Wörgl, Bad Häring und Schwoich anzumelden.

Am Freitag bekamen die Kinder im Pfarrheim Rum von den Indianern den letzten Edelstein. Die Schatztruhe hielt für jeden ein Foto von sich und seiner Gruppe bereit, als Erinnerung an die Reisen zu den entlegensten Völkern und an diesen besonderen Sommer.


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