Auf den Spuren des Kriegsendes: Radtouren zu historischen Schauplätzen

Das Gemeindemuseum Absam führt auf Fahrradtouren zu historischen Schauplätzen des Zweiten Weltkriegs – und erinnert an NS-Verbrecher und Widerstandskämpfer.

  • Artikel
  • Diskussion
Am 12. Mai 1945 wurden die Leichen von acht hingerichteten Zwangsarbeitern und jene des Widerstandskämpfers Robert Moser an der Nordmauer des Haller Friedhofs exhumiert.
© Jerry Rutberg, National Archives

Hall, Absam – Einmal mehr geht – oder in diesem Fall fährt – das Gemeindemuseum Absam außergewöhnliche Wege, um Wissen zur regionalen Zeitgeschichte zu vermitteln: Am 25. Juli sowie am 1. August führen wieder Fahrradexkursionen an fünf Schauplätze, die vor 75 Jahren, im Mai 1945, für die Befreiung von Hall/Absam von Bedeutung waren. Treffpunkt ist um 14 Uhr (bzw. nach Vereinbarung) vor dem Museum, dann verläuft die etwa dreistündige Tour über ca. 25 Kilometer von Absam in die Reichenau und über Hall und Mils zurück nach Absam.

Zu den Stationen zählen das Denkmal für das „Arbeitserziehungslager“ Innsbruck-Reichenau und der Haller Friedhof – die durch ein dunkles Kapitel verbunden sind: Ende April 1945 wollten Tiroler NS-Täter, konkret Gestapo-Beamte in der Innsbrucker Herrengasse und im Lager Reichenau, eine Lkw-Fuhre nach Hall nutzen, um die Spuren ihrer Verbrechen vor den anrückenden US-Truppen zu verwischen, besonders vor der Abteilung für Kriegsverbrechen (War Crimes Branch).

Ein Chauffeur bekam den Auftrag, zusammen mit zwei Gestapomännern zuerst die Leiche des Innsbrucker Widerstandskämpfers Robert Moser in der Herrengasse abzuholen – dort war der Regimegegner zu Tode gefoltert worden –, anschließend im Lager Reichenau acht am 24. April getötete Zwangsarbeiter. Zwei weitere Zwangsarbeiter hatten die Aufgabe, die Gestapo-Opfer in einem Massengrab außerhalb des Haller Friedhofs zu verscharren.

Zugewuchert ist der Hinweis auf politische Gefangene beim Denkmal für das Lager Reichenau.
© Breit

Wenige Tage später, am 3. Mai 1945, befreiten Soldaten der 103. US-Infanterie-Division Innsbruck, bereits am 12. Mai begannen die Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen: Die Amerikaner ließen das Massengrab in Hall öffnen und die neun Leichen bergen. Der neue Haller Bürgermeister und Arzt Viktor Schumacher stellte Erhängen als Todesursache bei den Zwangsarbeitern fest und sorgte für ein würdevolles Begräbnis. Die Leiche von Robert Moser wurde nach Innsbruck überführt. Heute erinnert eine Gedenktafel in der Herrengasse an die Verbrechen, die in den letzten Tagen des NS-Regimes an ihm begangen wurden.

"Ice Road": 50x2 Karten für den Premieretag gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Drei – restlos ausgebuchte – Termine der Fahrradexkursion haben bereits stattgefunden. Besonders intensive Diskussionen habe dabei die zweite Station beim Denkmal in der Reichenau ausgelöst, berichtet Matthias Breit, Leiter des Gemeindemuseums Absam. Und zwar nicht zuletzt der Zustand des Mahnmals: Der Hinweis am Denkmal (Roter Winkel), dass auch politische Gefangene der Gestapo in der Reichenau festgehalten wurden, sei etwa derart zugewachsen, dass er heute praktisch nicht mehr zu erkennen sei ...

Die Anmeldung für die beiden Termine am 25. Juli sowie dem 1. August (Achtung, begrenzte Teilnehmerzahl) ist unter Tel. 0676/840532700 oder mats.breit@mac.com möglich. (TT, md)


Kommentieren


Schlagworte