Landschaftsschutzgebiet Kaunergrat könnte 2020 kommen

Noch heuer könnte am Kaunergrat ein Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden, das fast die Größe des Fürstentums Liechtenstein erreicht. Für den Naturpark Kaunergrat wäre das ein Meilenstein.

  • Artikel
  • Diskussion
Auch die Aifner Alm würde im neuen Landschaftsschutzgebiet liegen.
© Schranz

Von Matthias Reichle

Landeck, Imst – Es reicht von der Kieleberg Alm im Norden bis zum Ölgrubenjoch im Süden. Insgesamt 130 Quadratkilometer groß ist das geplante Landschaftsschutzgebiet Kaunergrat – und ist damit schon fast so groß wie das Fürstentum Liechtenstein (160 km2). Nach mehrjährigen Vorbereitungen soll die Fläche, die sich über den Kaunergrat hinweg ins Kaunertal und ins Pitztal erstreckt, noch heuer ausgewiesen werden. Im Land arbeitet man derzeit an der Verordnung. Nach dem Sommer startet die Begutachtung, heißt es seitens der Umweltabteilung. Möglicherweise könnte es damit noch 2020 von der Regierung beschlossen werden.

„Es gibt eine breite Zustimmung für das Schutzgebiet“, betont Naturpark-Geschäftsführer Ernst Partl. Er hat inzwischen einen mehrjährigen Verhandlungsmarathon mit den Grundeigentümern hinter sich. „Für 91 Prozent liegen positive Grundsatzbeschlüsse vor“, erklärt er.

Während das Kaunertal bereits vollzählig seine Zustimmung gegeben hat, fehlt im Pitztal noch die ein oder andere Erklärung. Noch in diesem Sommer soll es eine letzte Runde geben. Er spricht von einem Unterschutzstellungsverfahren „De luxe“. Es sei sonst nicht üblich, Betroffene schon vorher zu fragen.

Die Grenzen des Schutzgebiets wurden in der Vollversammlung des Naturparks Kaunergrat präsentiert.
© Reichle

„Wir machen das, weil es für die weitere Arbeit im Schutzgebiet wichtig ist, dass es auf einer breiten Zustimmung fußt.“ Es sei ihre Aufgabe, den Menschen die Chancen, die damit einhergehen, zu vermitteln, hatte Naturpark­obmann Hans-Peter Bock bereits zum Start des Projekts erklärt. Partl ist so weit zufrieden. „Es hat niemand gesagt: ,Nein, wir wollen das nicht.‘“

"Ice Road": 50x2 Karten für den Premieretag gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Das Landschaftsschutzgebiet ist ein Ziel des Naturparks seit seiner Gründung vor über 20 Jahren. „Bereits 2001 wurde ein erster Plan erarbeitet“, so Partl. Bisher kämpfte man nämlich damit, dass es abseits kleinerer Naturschutzgebiete keinen klar abgesteckten Raum gab. Das soll sich nun ändern.

„Das Naturparkhaus wird nun das Tor ins Landschaftsschutzgebiet“, erklärt er. Der Naturpark verlagere sich damit stärker in die Täler hinein – dazu trägt auch die neue Infrastruktur bei. Das neue Steinbockzentrum in St. Leonhard wurde eben eröffnet, im kommenden Jahr folgt eine Ausstellung zum Thema Gletscher in Kaunertaler Quellalpin.

Trotz der Größe: In Talnähe kommt man mit dem Landschaftsschutzgebiet nicht – der höchste Punkt ist die Watzespitze mit 3532 Metern und nur an wenigen Stellen reicht es unter 1700 Höhenmeter herunter und schützt damit vorwiegend alpine Gebiete. „Wir folgen weitgehend der Baumgrenze“, so Partl.

„Ziel ist es, die Almbewirtschaftung am Kaunergrat, so wie sie jetzt stattfindet, zu erhalten.“ Zudem will man das Gebiet für Gäste nutzen – „kein Massentourismus“, wie er betont, sondern Projekte wie die Kaunergratrunde, ein Höhenwanderweg durch die Region.

Größere Einschränkungen für die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft und die Jagd erwartet der Naturpark-Geschäftsführer derzeit keine. „Neue Anlagen oder Stromleitungen gehen allerdings nicht mehr.“ Mit den Bauern will man gemeinsam Pläne ausarbeiten. Es wäre auch möglich, wertvolle Flächen aus der Nutzung zu nehmen und dafür neue Weiden zu roden.


Kommentieren


Schlagworte