Denkmal zog um: Zammer Kaiserschütz in Nauders „eingebürgert“

Plötzlich war das Denkmal weg. In Nauders ist die Freude über einen „neuen Gemeindebürger“ groß. So mancher Zammer hätte ihn lieber behalten.

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In Nauders hat der Kaiserschütz aus Bronze eine neue Heimat gefunden.
© Reichle, Ploner

Von Matthias Reichle

Zams, Nauders – So schnell kann aus einem Zammer ein waschechter Nauderer werden. Ein bisschen Schadenfreude schwingt beim Nauderer Vizebürgermeister und Museumsobmann Karl Ploner schon mit, wenn er erzählt, wie es zu dieser jüngsten Einbürgerung gekommen ist – aber auch eine große Portion Stolz ist dabei. Denn der neueste Bewohner der Reschengemeinde wurde den Zammern quasi abgeluchst.

Auch in Zams gehen die Emotionen bei so manchem deshalb derzeit hoch. Was ist passiert? In Nauders freut man sich über ein neues Kaiserschützendenkmal. Jahrzehntelang gehörte der adrette Soldat mit Kletterpickel, geschultertem Gewehr und um die Brust gewickeltem Seil zum Bild des Zammer Ortszentrums. Er stand dort vor dem ehemaligen Gasthof Schwarzer Adler auf einem Fels. Umso größer die Überraschung, als er vor wenigen Tagen von einem Lkw abgeholt wurde und auf Nimmerwiedersehen verschwand. Wegen eines zeitgleichen Begräbnisses fanden sich einige Zuschauer ein.

Die sechs Tonnen schwere Last wurde vor wenigen Tagen in Zams verladen ...
© Reichle, Ploner

Man sei eben schneller gewesen, schmunzelt Ploner. Die Zammer hätten sich zu wenig darum gekümmert. Ploner habe einen Tipp bekommen, dass man das Denkmal haben könnte. Der Schwarze Adler hat einen neuen Besitzer und wird derzeit umgebaut. Nach Rücksprache mit den früheren Eigentümern stand einer Übersiedlung plötzlich nichts mehr im Weg. Bis zuletzt fürchtete man allerdings, dass doch noch etwas dazwischenkommen könnte.

Das Objekt der Begierde gehörte nämlich einem verstorbenen Zammer Original. Der ehemalige Eigentümer des Schwarzen Adlers, Alois Graber, hatte es selbst in Auftrag gegeben. Er hatte zeitlebens ein echtes Faible für die Monarchie, legte ein eigenes Museum an und ist laut Zeitzeugenberichten zu Festtagen in Kaiserschützenuniform zu sehen gewesen.

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„Für den Kaiserjäger ist er selbst Modell gestanden“, weiß Ploner, der sich einige Spitzen nicht verkneifen kann. „Meine Empfehlung: Die Zammer sollen sich das Denkmal in Nauders anschauen kommen. So einen schönen Platz hatte er noch nie“ – gleichzeitig macht er Werbung für den Kaiserjägersteig und die Festung, „mit Führungen jeden Mittwoch und Sonntag um 15 Uhr“. Die Statue passe gut in dieses Umfeld.

... und auf den Reschen transportiert.
© Reichle, Ploner

In Zams soll es der ein oder andere aber doch schade finden, dass das Denkmal nun weg ist. „Habt ihr den Zammern den Kaiserschützen abgeluchst?“, lautete etwa eine verwunderte SMS, die bei Ploner nach der Aktion eintraf. Andere bedauerten den Weggang eines „großen Zammers“. Dazu gehört auch der Vizebürgermeister und Obmann des Kulturausschusses Josef Reheis. „Es wäre mir lieber in Zams als in Nauders“, betont er. Man hätte wohl ein gutes Platzl gefunden. „Wir haben einmal mit der Vorbesitzerin gesprochen.“ Damals sei nichts daraus geworden. Für Bürgermeister Siggi Geiger hingegen ist vor allem wichtig, dass das Denkmal erhalten bleibt, wie er erklärt.

Der Transport selbst war eine Prozedur. Auch der Nauderer Bürgermeister Helmut Spöttl half beim Verladen der sechs Tonnen schweren Plastik mit. Nun steht der Kaiserschütz Mitten im Ort. „Der Platz wird noch hergerichtet“, so Ploner. Eine Tafel soll an den früheren Standort in Zams erinnern.


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