Theaterverein "Volkskantine": Nur fünf Wochen Zeit für Dreigroschenoper

Der Park von Schloss Mentlberg in Innsbruck wird ab Anfang August zur Theaterbühne. Ein aus der Corona-Not geborener Verein hat Großes vor.

Wehe, wenn sie losgelassen! Der neu gegründete Theaterverein „Die Volkskantine“ erlebt mit der „Dreigroschenoper“ seine Feuertaufe. Dirigent Kasper de Roo, Regisseurin Susi Weber sowie die Schauspieler(innen) Francesco Cirolini, Tamara Burghart und Lisa Hörtnagl (von links).
© Michael Kristen

Von Markus Schramek

Innsbruck – Eine repräsentative Auswahl dessen, was in Tirols freier Theaterszene Rang und Namen hat, tritt an zum gemeinsamen Kraftakt. Bert Brechts „Die Dreigroschenoper“ wird als erste Produktion des neu gegründeten Theatervereins „Die Volkskantine“ als Freiluftereignis auf die Bühne gestellt bzw. gestemmt. Denn die Vorlaufzeit beträgt bloß bescheidene fünf Wochen. Spielort ist erstmals der Park von Schloss Mentlberg in Innsbruck.

Freiluft in Tirol. Das ist so eine Sache, wie man erst in den letzten Tagen wieder fröstelnd und regennass erfahren musste. Aber Entwarnung! Die Besucher werden Brechts Schauspiel mit der Musik von Kurt Weill trocken erleben. Das Publikum ist in einem Zelt untergebracht (200 Plätze), während die Mimen notfalls auch im Regen stehen müssen. Gespielt wird zwölfmal bis 23. August.

Die kreativen Köpfe haben die lange pandemische Spielpause satt und lechzen nach Theater live vor Publikum. „Wir möchten arbeiten“, bringt es Volkskantinenobfrau Lisa Hörtnagl (sie wirkt selbst im Stück mit) fast flehentlich auf den Punkt. Es wird wieder gespielt und zwar großformatig: Mehr als 40 Beteiligte umfasst die Produktion vor und hinter der Bühne.

Brechts 1928 uraufgeführtes und im Gaunermilieu Londons angesiedeltes Stück über Schein, Sein und Doppelmoral verlangt dem darstellenden Personal auch gesanglich einiges ab.

Besonders gefordert ist Francesco Cirolini in der Rolle des Oberschurken Macheath, Codename Mackie Messer. Er hat neun Lieder zu bewältigen. Mit Korrepetitor Stephan Costa ist er eifrig am Werken. Wie auch der Rest des Casts, in dem sich bekannte Namen tummeln wie Thomas Lackner, Brigitte Jaufenthaler, Tamara Burghart oder Juliana und Rafael Haider (der auch die berühmte „Haifisch“-Moritat) singen wird.

Enthusiasmus und Vorfreude sind grenzenlos, allerdings „liegt schon noch einiges an Arbeit vor uns“, bekannte Regisseurin Susi Weber beim gestrigen Pressegespräch frei heraus. Zum Medientermin war auch eine kulturpolitische Abordnung von Land und Stadt erschienen, Landesrätin Beate Palfrader, Vizebürgermeisterin Uschi Schwarzl und Kulturausschussobfrau Irene Heisz. Die Politik steht hinter dem aus der Not geborenen Projekt und hat den Geldhahn ordentlich aufgedreht: Mit 80.000 Euro fördert das Land die „Dreigroschenoper“, 60.000 kommen von der Stadt, 20.000 vom Tourismusverband Innsbruck. Weitere 20.000 Euro sind als Ticketerlöse einkalkuliert. „Reich wird niemand“, sagt Obfrau Hörtnagl mit Blick auf den großen Aufwand.

Mehr dazu

Die Dreigroschenoper. Öffentliche Generalprobe am 5. August, Premiere am 6. August. Info: www.dievolkskantine.com

Für die richtigen Töne sorgt Dirigent Kasper de Roo, auch er in Innsbruck bestens bekannt, so als ehemaliger Musikdirektor der Stadt. Der Niederländer hat eine handverlesene Selektion von Musikern unter seinen Fittichen.

Von sich hören lassen will die Volkskantine auch in weiterer Zukunft. Der Verein möchte Theater anbieten, das Menschen quer durch alle Schichten anspricht, niederschwellig, ohne Dünkel und Berührungsängste. Keinesfalls sehe man sich als Konkurrenz zu den (heuer abgesagten) Volksschauspielen in Telfs, betont Lisa Hörtnagl, die selbst in Telfs schon öfter auf der Bühne stand.


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