Acht Tierquäler im Vorjahr in Tirol verurteilt

Die Hälfte der Tierquälerei-Prozesse endete in Tirol in den vergangenen drei Jahren mit einem Freispruch. Tierschützer fordern härteres Durchgreifen und bessere Prävention. Justiz und Land sehen sich im Soll.

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17 Verfahren wegen Tierquälerei wurden im Jahr 2019 am Landesgericht Innsbruck abgeschlossen. Achtmal erging ein Schuldspruch, in neun Fällen wurde der oder die Angeklagte freigesprochen.
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Von Benedikt Mair

Innsbruck – Eingepfercht, verwahrlost oder geschlagen. Wegen Überforderung, aus Gleichgültigkeit oder einfach zum Spaß. Regelmäßig werden auch in Tirol Fälle bekannt, in denen Tiere brutal misshandelt wurden. Kommen die Taten ans Licht, sorgen sie für einen Sturm der Empörung. Oft bleiben sie aber unentdeckt. 17 Verfahren wegen Tierquälerei wurden im Vorjahr am Landesgericht in Innsbruck abgeschlossen, achtmal wurde der oder die Angeklagte schuldig gesprochen. Tierschutzaktivisten fordern ein konsequenteres Durchgreifen der Justiz. Auch bei der Sensibilisierungsarbeit für die Rechte von Tieren seitens der öffentlichen Hand drängen sie auf Verbesserungen.

Zwischen den Jahren 2017 und 2019 wurden in Tirol insgesamt 51 Prozesse wegen Tierquälerei zu Ende verhandelt – 2017 waren es 16, 18 im Jahr 2018 und 17 im Vorjahr. Das teilte die Medienstelle des Justizministeriums auf Anfrage der TT mit. Knapp die Hälfte der Verfahren (25) endete mit einem Freispruch – siebenmal erging dieser im Jahr 2017, jeweils neunmal in den Jahren 2018 und 2019.

Sollte er gefasst werden, dürfte auch jenem Täter, der vor etwa einer Woche ein junges Rind im Stubaital auf offener Weide geschlachtet hat, ein Prozess wegen Tierquälerei drohen. „Das Kalb wurde vermutlich noch nicht einmal betäubt“, spekuliert sein Besitzer im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen. Gegenüber der bayerischen Zeitung stellte er die Vermutung in den Raum, dass das Tier erst mit Stichen getötet, dann mit einer Säge zerteilt wurde. „Ich kann nicht glauben, wie grausam und brutal die Täter vorgegangen sind“, sagt der Stubaier Bauer.

Es sind Fälle wie dieser oder jener der gehäuteten Katzen in Graz (mehr dazu hier), die Veronika Weissenböck glauben lassen, dass in Österreich bei der Sensibilisierung für die Rechte der Tiere noch viel Nachholbedarf herrscht. „Es sind fühlende Wesen“, sagt die Kampagnenleiterin der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Von der Politik, sowohl auf Bundes- wie Landesebene, wünscht sich Weissenböck mehr Initiativen, die sich des Themas annehmen. „Empathie kann gelernt werden. Besonders für Kinder ist es wichtig einen Zugang zu Tieren zu haben. Gerade bei Nutztieren ist die Sensibilität heruntergesetzt, weil sie dann doch auch als Nahrungsmittel gelten. Dabei gibt es keinen Unterschied zwischen Katze und Kalb.“ In die Pflicht nimmt sie auch Behörden und vor allem die Justiz. „Sie ­könnten manchmal etwas mutiger sein. Es ist wichtig, dass Tierquälerei nicht als Kavaliersdelikt gilt.“ Der Strafrahmen solle öfter ausgereizt werden, Richter sollten in der Sache besser geschult werden.

Das Justizministerium weist die Kritik zurück. Zum einen sei die Strafandrohung für Tierquäler im Jahr 2016 verschärft worden – von einem auf maximal zwei Jahre Freiheitsstrafe. „Dem Gesetzgeber war es also ein Anliegen, zu zeigen, dass es kein Kavaliersdelikt ist“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Außerdem würden Gesetz und Strafrahmen regelmäßig evaluiert.

Und wie sieht es mit der Präventionsarbeit aus? Martin Janovsky, Tierschutzombudsmann des Landes, sieht Tirol hier im Soll. „Natürlich müssen wir an dem Thema dranbleiben. Du kannst aber nicht neben jedes Schaf oder jeden Kanarienvogel einen Polizisten stellen.“ Für Janovsky ist es deshalb klar, dass niemals jeder Fall von Tierquälerei verhindert werden kann. „Der Weg ist hier das Ziel. Bewusstseinsbildung können und müssen wir betreiben.“ Eine wesentliche Säule ist für den Tierschutzombudsman hierbei der Verein „Tierschutz macht Schule“, der einen verantwortungsvollen Umgang mit allen Tieren zu stärken versucht. „Wir in Tirol sind auf einem guten Weg“, meint Janovsky. „Anders als in anderen Bundesländern gibt es bei uns eher selten richtig grauslige Fälle von Tierquälerei.“


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