Die Tücken bei der Suche nach dem Problemwolf

Den Oberländer Wolf zu besendern sei nahezu unmöglich, glaubt Walter Arnold von der Vetmed Wien. Im Unterland wurden fünf Schafe gerissen.

Anders als dieses Exemplar wird der Oberländer Wolf nicht seelenruhig daliegen und auf die vom Land eingesetzte „Eingreiftruppe“ warten. (Symbolfoto)
© AFP

Innsbruck, Walchsee, Kössen – Über 20 Stück Weidevieh hat ein Wolf im Tiroler Oberland getötet. Nun wird Jagd auf ihn gemacht. Das Tier soll eingefangen und mit einem Sender ausgestattet werden. Experten halten es für nahezu ausgeschlossen, dass das gelingen wird. Unterdessen sind gestern im Bezirk Kitzbühel fünf gerissene Schafe entdeckt worden. Ein Wolf dürfte dafür verantwortlich sein.

Vier tote Schafe wurden am Montag in Kössen, ein weiteres in der Nachbargemeinde Walchsee entdeckt. Die Kadaver wurden amtstierärztlich untersucht, für den Beauftragten für große Beutegreifer des Landes Tirol, Martin Janovsky, steht fest: „Aufgrund des Rissbildes ergibt sich hier ein konkreter Wolfsverdacht.“ Es wurden Proben entnommen, bei denen nun eine DNA-Analyse vorgenommen werden soll. Es ist nicht das erste Mal, dass heuer in der Region wohl ein Wolf sein Unwesen trieb.

„Bereits Ende Juni wurde hier mehrere Schafe gerissen“, weiß Leo Mühlberger, Bauer aus Kössen. Er bewirtschaftet die Naringalm, deren Schafherde der Beutegreifer im Juni und jetzt wieder dezimierte. „Wir warten immer noch auf die DNA-Analyse der ersten Risse. Schön langsam ist es nur noch ein Wahnsinn. Es muss endlich etwas passieren“, sagt Mühlberger. Das Raubtier solle entnommen werden. Inzwischen liegt das Ergebnis der Untersuchung von Erbgut vor, das am 10. Juni an einem Rehkadaver im Außerfern sichergestellt wurde. Hier wurde definitiv ein Wolf nachgewiesen.

„Bereits Ende Juni wurden hier mehrere Schafe gerissen. Wir warten immer noch auf die DNA-Analyse", sagt Leo Mühlberger
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© ZOOM.TIROL

Im Oberland hat indes die Suche nach jenem Beutegreifer begonnen, der in den vergangenen Wochen im Paznaun umherstreifte. „Polnische Experten, die sich schon länger mit dem Thema beschäftigen, werden versuchen, des Wolfes habhaft zu werden“, sagt Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP). „In den nächsten drei Wochen werden sie mit Betäubungsgewehren bewaffnet unterwegs sein. Fallen werden keine gestellt.“ Wird er gefangen, soll der Wolf einen Sender erhalten.

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Wenn das gelingen sollte, sei es „wie ein Sechser im Lotto“, sagt Walter Arnold, Leiter des Forschungsinstitutes für Wildtierkunde und Ökologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Er hat das Land auch als externer Experte bei der Auslotung der möglichen Maßnahmen beraten und weiß, dass Wölfe nur sehr schwer gefangen werden können. „Besonders, wenn unklar ist, wo sie sich aufhalten.“ Das sei bei dem Oberländer Exemplar der Fall, da es „ja noch nicht einmal von einer Kamera festgehalten wurde“.

Und wenn die Besenderung fehlschlägt? „Dann wäre eine Entnahme der nächste Schritt“, sagt Landeshauptmannstellvertreter Geisler.


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