Bildung in Kufstein heiß umkämpft

Die Internationalisierungspläne in Kufstein schlagen weiter hohe Wellen. Dabei gibt es noch nicht einmal ein Konzept dafür.

„Von einem ‚Ausbau eines Zwei-Klassen-Bildungssystems mit öffentlichen Geldern‘ kann keine Rede sein", sagt Herbert Madl
, ISK-Gründungsdirektor
© Hrdina

Von Wolfgang Otter

Kufstein – Die Diskussionen um die geplante Interna­tionalisierung von der Volksschule bis zur Matura in Kufstein reißen nicht ab. Bekanntlich hat es eine turbulente Gemeinderatssitzung zu diesem Thema gegeben, bei der besonders Birgit Obermüller, Obfrau des Bildungsausschusses, eine scharfe Rede hielt. Zum einen ärgerte sie sich darüber, dass der Plan nicht abgesprochen war, zum anderen fürchtet sie, dass Geld in die Privatschulen fließt, das an den Pflichtschulen fehlt. Hier berichtet sie gegenüber der TT von teils sehr schlechter Infrastruktur und großem Sanierungsbedarf. Bürgermeister Martin Krumschnabel trat dem entgegen und betonte, dass Kufstein nichts in die internationalen Schulen hineinzahle. Für die Unterstufe an der International School (ISK) würde das Land eine Million Euro lockermachen.

Was nun wirklich kommen soll, steht aber noch nicht einmal fest, wie eine Anfrage bei der Bildungsdirektion in Innsbruck beweist. Laut Werner Mayr, dort zuständig für die Pflichtschulen, werde bis Frühjahr 2021 an einem Konzept gearbeitet. Mit allen Beteiligten.

Die fraktionsfreie Gemeinderätin Obermüller will auf alle Fälle auf die Entwicklung reagieren. Sie fordert eine Art Masterplan zur Sanierung und Modernisierung der Pflichtschulen in den kommenden Jahren und entsprechende Budgetmittel.

Auch SPÖ-Gemeinderat Alexander Gfäller stimmt in den Kritikerchor ein. Er befürchtet, wie auch die Grünen, ein Zwei-Klassen-Bildungssystem. „Bilinguales Angebot in öffentlichen Einrichtungen ja, aber nur für Kinder die in Kufstein wohnhaft sind“, stellt er die Haltung seiner Fraktion klar.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

ISK-Gründungsdirektor Herbert Madl sieht die Sache naturgemäß anders und verwahrt sich gegen die Kritik. „Der Erfolg der ISK soll nicht dauernd durch Unterstellungen und falsche Aussagen (in der Vergangenheit wurden diese immer wieder richtiggestellt) geschmälert werden“, sagt er. „Die ISK Tirol ist eine IB World School mit einem internationalen Schulabschluss einschließlich der Matura und als solche eine Schule ohne soziale Schranken. Den Zugang für alle interessierten und motivierten Schülerinnen und Schüler ermöglicht ein besonderes Stipendiensystem, das von all jenen genutzt werden kann, die einen Bedarf nachweisen. Chancengleichheit ist also gegeben und wird tagtäglich gelebt.“ Diese gelte auch für die bilingual ausgerichtete Kindergartengruppe und die Volksschule – beide Einrichtungen seien gratis – und die ISK-Unterstufe. „Von einem ‚Ausbau eines Zwei-Klassen-Bildungssystems mit öffentlichen Geldern‘ kann keine Rede sein“, so Madl.


Kommentieren


Schlagworte