Pitztaler Steinwild in internationalem Fokus

Das jüngst eröffnete Steinbockzentrum im Pitztal soll zur Drehscheibe der Steinwildforschung werden.

Eine Steinbock-Zählung soll einem grenzüberschreitenden Steinwildmanagement vorangehen.Foto:
© TJV, Benedikt Kolp

Von Thomas Parth

St. Leonhard im Pitztal – Norbert Krabacher, jagdlicher Leiter der Landesjagd im Pitztal, bestätigt den „sehr guten und gesunden Bestand“ an Steinböcken, die jüngst einer Zählung unterzogen wurden: „Bei 23.000 Hektar Fläche war die Zählung ein gutes Stück Arbeit und wahnsinnig aufwändig, sie hat aber gut geklappt.“

© TJV, Benedikt Kolp

Nach der erfolgreichen Wiederansiedlung in den 1950er-Jahren in Tirol leben drei Steinwildkolonien am Glockturmkamm (Kaunertal), am Kaunergrat (Kaunertal-Pitztal) sowie am Geigenkamm (Ötztal). Gemeinsam umfassen sie aktuell gut 1200 Individuen und zählen somit zu den größten Kolonien in den Ostalpen.

„Aufgrund der zwischenzeitlichen Ausrottung und Seltenheit wurde das Steinwild in der Vergangenheit am wenigsten erforscht. Über die Kooperation mit der Landesjagd und natürlich auch mit der bisher bereits bestehenden Zusammenarbeit mit den weiteren Steinwildregionen soll sich das in Zukunft spürbar ändern“, ist die Wildbiologin des Tiroler Jägerverbandes (TJV), Martina Just, überzeugt. Sie koordiniert derzeit eine große Studie zur Genetik des Steinwildes in Tirol, wobei erste Ergebnisse im kommenden Jahr präsentiert werden sollen.

„Das Steinwild am Kaunergrat nimmt auch bei uns keine Rücksicht auf Reviergrenzen"

Bereits in den 1980er-Jahren wurde erstmals eine talübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Revieren am Kaunergrat angestrebt. Nach ersten gemeinsamen Besprechungen und Aktivitäten ist es in der talübergreifenden Zusammenarbeit ruhiger geworden. „Das Steinwild am Kaunergrat nimmt auch bei uns keine Rücksicht auf Reviergrenzen. Der Naturpark würde es deshalb sehr begrüßen, wenn ähnlich wie im Verwall oder in Osttirol, wo bereits funktionierende Steinwildhegegemeinschaften bestehen, dieses Vorhaben auch bei uns wieder aufgegriffen und konsequent verfolgt wird. Vielleicht kann auch hier das Steinbockzentrum in Zukunft seinen Teil dazu beitragen“, blickt Ernst Partl, Geschäftsführer des Naturparks Kaunergrat, optimistisch in eine gemeinsame Zukunft der Steinwildhege am Kaunergrat.

Partl bestätigt, dass durch das seit zwei Jahren laufende Interreg-Projekt in der Region Terra Raetica mit Südtirol, Engadin und Tiroler Oberland erste Erfolge erzielt wurden: „Mit 27. Juni konnten am Kaunergrat bei guten Bedingungen 693 Stück Steinwild gezählt werden.“ Das bedeutet, dass sich die Population, die in den schneereichen Wintern durch hohe Fallwildzahlen geschwächt wurde, wieder erholt hat, schließt Partl. Man leiste aktuell die Vorarbeiten für ein grenzüberschreitendes Steinwildmanagement nach Schweizer Vorbild.


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