Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern: „Kennen, was man schützt“

70 Wissenschafter haben die Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern untersucht.

Besondere Naturschönheiten haben die Wissenschafter im Umbaltal vorgefunden.
© NPHT

Von Christoph Blassnig

Prägraten a. G. – 350.000 Arten der Tier- und Pflanzenwelt hat man in den letzten 15 Jahren dokumentiert, und es ist kein Ende in Sicht. Der Nationalpark Hohe Tauern ist nicht nur flächenmäßig Österreichs größtes Schutzgebiet. Die Lage im Hochgebirge macht auch die Feststellung der vorhandenen Artenvielfalt zur Mammutaufgabe. Aus diesem Grund teilen sich die drei Bundesländer Kärnten, Salzburg und Tirol, auf deren Gebiet der Nationalpark jeweils zum Teil gelegen ist, diese Aufgabe.

An jährlichen „Tagen der Artenvielfalt“ erkunden Wissenschafter jeweils in einem festgelegten Abschnitt die vorhandene Tier- und Pflanzenwelt. Die anschließende wissenschaftliche Dokumentation erfolgt in einer Datenbank des Hauses der Natur in Salzburg. Vor wenigen Tagen waren 70 Fachleute aus ganz Österreich und Deutschland im Umbaltal bei Prägraten in Osttirol. Die Zahl von rund 350.000 Einzeldatensätzen in der Datenbank wird also erneut wachsen.

„Man kann nichts schützen, das man nicht kennt“, zitiert Elisabeth Hainzer, Forschungskoordinatorin des Nationalparks für alle drei Bundesländer, einen Leitspruch, der für alle Schutzgebiete gelten mag. Auf Osttiroler Gebiet haben Experten bisher etwa im Dorfertal, im Teischnitz- und im Ködnitztal ihre Beobachtungen gemacht. „Das Umbaltal ist vor allem für die Umbalwasserfälle und den ersten Wasserschaupfad Europas bekannt“, erklärt Hainzer. „Eine Herausforderung für die Wissenschaft war diesmal die Weitläufigkeit des Erhebungsgebietes im rauen Hochgebirge.“ Doch die ersten Rückmeldungen zu den Funden würden in dem Gebiet eine hohe Biodiversität mit vielen Arten nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie des EU-Natura-2000-Netzwerks von Schutzgebieten (FFH) ausweisen.

Alleine im Umfeld der Clarahütte, auf 2038 Metern Seehöhe, wurden einer ersten Schätzung nach über 400 Gefäßpflanzenarten bestimmt. „Diese hohe Biodiversitätsdichte ist beeindruckend – auch aus wissenschaftlicher Sicht“, sagt die Koordinatorin. Den hohen Schutzwert des Nationalparks Hohe Tauern würden auch FFH-Arten wie der Thymian-Ameisenbläuling, der im Erhebungsgebiet gut vertreten ist, sowie die botanische Besonderheit des Nordischen Drachenkopfes unterstreichen. Die wenigen Vorkommen dieser sehr seltenen Pflanze in Österreich liegen in den Bundesländern Kärnten und Tirol. Um einen Erstfund im Tiroler Anteil des Nationalparks Hohe Tauern dürfte es sich beim Großfrucht-Hornkraut handeln.


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