Für bedrohte Vögel wird im Zillertal Wald der Natur überlassen

Die Österreichischen Bundesforste setzen im Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen mit „Birdlife“ ein Naturschutzprogramm für Vögel um.

Im Zillertal werden für das Auerwild einige Bergwälder nicht mehr gerodet.
© Michaela Walch

Von Angela Dähling

Tux, Ginzling – Beinahe die Hälfte der österreichischen Waldvogelarten ist auf der Roten Liste Österreichs vertreten und als gefährdet eingestuft. Mit ein Grund sind die heutigen Nutzungsformen von Wäldern. Durch das Umsetzen von Schutzmaßnahmen für (Wald-)Vogelarten auf den Flächen der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) sollen Lebensräume für seltene Arten wie den Raufußkauz, das Auerwild oder den Dreizehenspecht gesichert werden.

Freiwillige Helfer setzten die Löschboden-Steinmauer instand.
© ÖAV

„Das Zillertal ist österreichweit das zweite ÖBf-Revier, wo wir neben einem Nutzungskonzept auch ein auf zehn Jahre ausgelegtes Naturschutzkonzept haben. Es basiert auf den Daten einer Waldinventur, die wir hier 2019 durchgeführt haben“, informiert ÖBf-Mitarbeiterin Palmira Deißenberger. In Kooperation mit „Birdlife“ werden dabei u. a. Altholzstände für den Vogelschutz außer Nutzung gestellt. So mag das Auerwild einen „aufgeräumten“ Waldboden mit wenig Hindernissen, der Dreizehenspecht hingegen will das Gegenteil. Darauf werde Rücksicht genommen, da man die Biodiversität erhalten wolle.

Das ist ganz im Sinne von Willi Seifert vom Hochgebirgsnaturpark Zillertaler Alpen, zumal rund die Hälfte der dortigen Flächen im Besitz der ÖBf ist und ein Drittel des Naturparkgebietes aus Bergwald besteht. Seifert: „In den letzten drei Jahren haben wir verstärkt den Fokus auf Naturschutz gelegt. Unter anderem läuft ein zweijähriges Schneehuhn-Forschungsprojekt am Tuxer Hauptkamm mit der Uni Innsbruck.“ Auf mehreren Almen werden zudem Naturschutzpläne umgesetzt.

Eine davon, nämlich die Löschbodenalm, gehört der Familie von Michael Erler. 60 Kühe und 20 Stück Jungvieh grasen dort und dem Bauer bleibt im Prinzip keine Zeit zum Schwenden oder Wegräumen von Steinen. Die Almen würden daher wieder zuwachsen. Durch freiwillige Helfer, auf die der Österreichische Alpenverein im Rahmen seines Projektes „Umweltbaustelle“ seit vielen Jahren zurückgreift, wird Almbauern geholfen. Die ehrenamtlichen Helfer setzten bei Erler unter anderem eine fast einen Kilometer lange Steinmauer instand. Dafür ist der Tuxer dankbar. Aber auch dafür, dass es dank des Naturparkmanagements eine Skitourenlenkung gibt. Dadurch wird der Weg zum Gipfel möglich, ohne Wildtiere in sechs Schutzzonen zu stören.

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Die Gemeinde Tux ist seit der Schutzgebietserweiterung um 42 km² vor vier Jahren jetzt Teil des Hochgebirgsnaturparks Zillertaler Alpen. Laut Bürgermeister Simon Grubauer ist bei den Tuxern das Naturbewusstsein gestiegen. Es sei wichtiger geworden, Natur zu bewahren und nachhaltig zu handeln. „Die Menschen machen sich Gedanken, wie Tux wachsen möchte. Qualität und Natur als wichtigste Ressource stehen dabei im Vordergrund.“


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