Ötztalstraße: Gurgl ist bald wieder zweispurig erreichbar

In einem (4,5 Millionen Euro teuren) Kraftakt stemmt man sich baulich gegen die Natur, um den Verkehr ins hintere Ötztal aufrechtzuerhalten.

Die Ötztalstraße nach Gurgl ist momentan einspurig, bald aber wieder zweispurig zu befahren. Die Sanierung der Leckgalerie erfolgt bis zu Winterbeginn am Dach.
© Skamen/Land Tirol

Von Thomas Parth

Sölden, Innsbruck – Vom 28. Mai bis zum 17. Juli war die Straßenverbindung zwischen dem Hauptort Sölden und dem Tourismusort Gurgl unterbrochen. Der Grund: Die Leckgalerie zwischen Zwieselstein und Untergurgl war von einem Hangrutsch bedroht und einsturzgefährdet. Damit war Gurgl von der Hauptverkehrsader abgeschnitten und wurde teils über eine Korridorlösung von Moos in Passeier bzw. über eine Luftbrücke mit Helikopterflügen versorgt.

„Zunächst war noch der 20. Juli im Gespräch für eine Straßenfreigabe, dann konnte man auf den 17. Juli um 17 Uhr vorziehen“, erinnert BM Ernst Schöpf: „Seitdem war die Galerie mit einer Ampelregelung einspurig passierbar. Demnächst wird die Straße sogar rund um die Uhr zweispurig zu befahren sein!“ Die sichere und gute Erreichbarkeit des Tourismusorts von beiden Seiten des Timmelsjochs sorgen für Aufbruchsstimmung in Gurgl. „Meinem Amtskollegen in Moos, Gothard Gufler, muss ich besonders für seine rasche und unkomplizierte Hilfe danken“, lobt Schöpf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. So konnte z. B. zwischenzeitlich auch die Tonnagebeschränkung von acht auf 28 Tonnen bis 15. Juni angehoben werden.

Günter Guglberger vom Sachgebiet Brücken- und Tunnelbau des Landes Tirol in Innsbruck stemmt sich im übertragenen Sinn derweil gegen die Naturgewalten: „Oberhalb der Leckgalerie, in einem Einzugsgebiet von 15 Hektar, kamen Schmelzwässer zusammen. Diese durchnässten die Erdmassen und bedrohten die als Lawinengalerie konzipierte Leckgalerie. Wir tun nun alles, um die Galerie abzusichern. Sonst droht kommendes Frühjahr wieder dieselbe Gefahr.“

Anfangs war das Risiko noch zu hoch, um die Maßnahmen zu beginnen. Jetzt ist es ein Wettlauf gegen die Zeit, bevor sich der Winter Mitte, Ende November zurückmeldet. „Man muss wissen, dass Galerien sehr sensible Bauwerke sind, deren Funktion man nicht im Handumdrehen verändern kann. Deshalb haben wir eine Vorgangsweise gewählt, um die Statik der talseitigen V-Stützen nicht zu gefährden“, zeigt Guglberger als Projektverantwortlicher auf.

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Die geplante „Ertüchtigung des Bauwerks“, wie der Techniker sagt, wird durch eine Sanierung von oben erfolgen. „Wir werden die Galerie, genauer das Dach der Galerie, durch eine zweite, zusätzliche Betonplatte versiegeln. Dieser massive Schutz reicht allein noch nicht aus und muss zurück in den Berg hineingespannt werden“, schildert Guglberger. Aktuell verlegt die Tinetz ihre Leitungen sowie das Spitzenstromkabel der Bergbahnen Gurgl in die Galerie hinein. In den kommenden Tagen folgen eine Absturzsicherung für die Arbeiter. Auch müssen Dämme errichtet werden, um den Bautrupps vor möglichem Steinschlag ausreichend Schutz zu bieten. Währenddessen hat die Landesgeologie ein permanentes Monitoringsystem installiert. Der gesamte Hang wird mit Radar- und Lasertechnologie keine Sekunde aus den Augen gelassen.

„Es ist ein ambitioniertes Ziel. Es wollen 4,5 Millionen Euro verbaut werden. Wir hoffen auf wenig Regen im Sommer und einen schönen Herbst“, sagt Guglberger.


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