Hagia Sophia - Orthodoxe trauern wegen Umwandlung in Moschee

Die griechisch-orthodoxen Kirchen in Griechenland und den USA haben mit Trauer auf die Umwandlung des Museums der Hagia Sophia in der türkischen Metropole Istanbul in eine Moschee reagiert. Dort findet am heutigen Freitag erstmals wieder ein muslimisches Freitagsgebet statt. In zahlreichen Kirchen Griechenlands sollen die Glocken zur Trauer läuten.

Am Abend will der Erzbischof von Athen, das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche, Hieronymos II., in der Kathedrale der griechischen Hauptstadt eine Sondermesse abhalten. Auch der Erzbischof der Orthodoxen in den USA, Elidoforos, ordnete nach Berichten der halbamtlichen griechischen Nachrichtenagentur ANA, dass die Fahnen auf halbmast gesetzt werden und die Kirchenglocken zur Trauer läuten sollen. Die Regierung in Athen hat wiederholt die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee als einen „historischen Fehler“, bezeichnet.

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte am 10. Juli der Hagia Sophia den Status als Museum aberkannt. Der islamisch-konservative türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ordnete daraufhin an, das Gebäude für das islamische Gebet als Moschee zu öffnen. An der offiziellen Wiedereröffnung will auch Erdogan teilnehmen. Erwartet werden zwischen 1.000 und 1.500 Gläubige.

Fast ein Jahrtausend lang war die Hagia Sophia das größte Gotteshaus der Christenheit. Sie war Hauptkirche des Byzantinischen Reiches. Ab dem 7. Jahrhundert wurden dort die Kaiser gekrönt. Wie der Petersdom für die Katholiken, ist die Hagia Sophia für alle orthodoxen Christen auf der Welt ein wichtiges Symbol.

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Der osmanische Sultan Mehmet II., genannt Fatih - der Eroberer, wandelte die Hagia Sophia nach der Eroberung Konstantinopels (heute: Istanbul) 1453 von einer Kirche in eine Moschee um. Die Eroberung markierte den Untergang des Byzantinischen und den Aufstieg des Osmanischen Reiches als Großmacht. Die Umwandlung der Hagia Sophia war das Symbol dieses Sieges. In den 1930er Jahren wurde das Gebäude auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk säkularisiert und öffnete als Museum.

Die nunmehrige Rückumwandlung in eine Moschee hat auch international Kritik ausgelöst, darunter aus der EU und den USA. So kritisierte die deutsche Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth das Vorgehen am Freitag als „Kampfansage an die laizistische Türkei“ und Missbrauch der Religion. Die Grüne Politikerin bezeichnete die Umwidmung des Gebäudes im Sender SWR als eine Grenzüberschreitung, mit der sich Präsident Erdogan Applaus aus der islamischen Welt sichern wolle. Erdogan „spalte die Gesellschaft“ und versuche so von Wirtschafts- und Coronakrise und Korruption abzulenken.

Die EU müsse auf diese Provokation mit mehr reagieren als mit der bisher vorgetragenen Kritik, forderte Roth. „Wenn sich die EU dahin gehend positionieren würde, dass keine Rüstungsgüter mehr geliefert werden oder wenn mit den Hermesbürgschaften auch wirtschaftliche Maßnahmen ergriffen würden, das würde Erdogan wehtun“, sagte die stellvertretende Parlamentspräsidentin. Das Problem sei, dass die EU sich „wegducke“, weil sie sich durch den Flüchtlings-Deal vom türkischen Präsidenten abhängig gemacht habe.

Auch von österreichischer Seite gab es Kritik, darunter von Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP). Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) sah am Freitag in einer Aussendung einen „Missbrauch (...) der Religion“ durch die Politik. Als „Unterstützer der modernen Türkei“ sei man gegen die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee. Mit der Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee verliere die Türkei zudem ihre Funktion als Brückenbauerin zwischen Ost und West.


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