Miliz ohne eigenes Fahrzeug: „Es fehlt hinten und vorne“

Erstmals in der II. Republik gab es in der Corona-Krise eine Teilmobilmachung der Miliz. Dort fehlt es ebenfalls an allen Ecken und Enden.

Nach zwei Monaten im Corona-Assistenzeinsatz kehrten 80 Milizsoldaten des Jägerbataillons in ihren Arbeitsalltag zurück.
© Fankhauser

Innsbruck – Nicht nur die präsenten Kräfte im Bundesheer (Heeresangehörige), sondern auch die Miliz kämpft mit großen militärischen Mangelerscheinungen. Elmar Rizzoli, er ist Kommandant des Tiroler Jägerbataillons der Miliz mit 780 Mann, betont, dass es „in der Miliz hinten und vorne bei der Mobilität und der Schutz­ausrüstung fehlt. Ganz miserabel ist die Situation bei der Funkausrüstung, dort fehlt es sehr. Uniform und Waffen sind allerdings für jedes Bataillon vorhanden.“

Gliederung und Probleme

Truppe: Der 6. Gebirgsbrigade unterstehen das Jägerbataillon (JgB) 23 in Landeck und Bludesch, das JgB 24 in Lienz und St. Johann, das JgB 26 in Spittal sowie das Pionierbataillon 2 in Salzburg.

Militärkommando: Es ist die Verwaltungseinheit. Zu ihr gehören auch die 1. Jägerkompanie in Land­eck und die Truppenübungsplätze.

Fuhrpark: In allen Bereichen fehlen Fahrzeuge. Für das Ausrücken der Militärmusik müssen private Busse angefordert werden.

Investitionsbedarf. Für die Kaserneninfrastruktur und die Truppenübungsplätze wird der Bedarf zwischen 2021 und 2023 mit 68 Mio. Euro beziffert.

Pionierkompanie. Umsetzung in Landeck stockt.

Grundwehrdiener: Früher gab es 3000 Präsenzdiener jährlich, derzeit 1500 bis 1700.

Der Dauerbrenner bleibt der Fuhrpark. „Als Jägerbataillon haben wir nicht einmal ein einziges Fahrzeug, das müssen wir uns immer ausleihen.“ Für eine Übung werden rund 50 Fahrzeuge benötigt, „die müssen wir dann quer durch Österreich zusammensammeln“. Dass auch die Miliz reformiert werden soll, findet Rizzoli grundsätzlich positiv. „Es gibt jetzt politische Willensäußerungen, das war in den vergangenen 15 Jahren so nicht der Fall.“ Wenn verstärkt auf die Miliz zurückgegriffen werden sollte, habe das aber konkrete Auswirkungen. „Da benötigt es neben der politischen Absicht auch sichtbare Verbesserungen“, fordert der Miliz-Kommandat vor allem Taten.

Um künftig Personal sicherzustellen, benötigt es laut Rizzoli eine faire Entlohnung. „Zur Miliz zu gehen, muss attraktiver werden. Beim Einsatz während der Corona-Krise gab es massive Entlohnungs-Unterschiede, die zu großer Kritik führten.“ Die zum Milizeinsatz Zwangsverpflichteten erhielten mit rund 1300 Euro am wenigsten, die Freiwilligen deutlich mehr und die Soldaten der präsenten Kräfte am meisten. „Obwohl draußen alle denselben Job gemacht haben. Das sorgt für großes Unverständnis“, wie Rizzoli hinzufügt.

Andererseits geht es um Anreize für die Arbeitgeber, verweist Rizzoli darauf, dass etwa Ausbildungen gegenseitig anerkannt werden sollten. „Im Bundesheer werden schließlich fachlich sehr hochstehende Ausbildungen beim Bundesheer angeboten. Wenn jetzt daran gedacht wird, die Miliz öfters einzuberufen, braucht es auch von den Arbeitgebern Verständnis dafür.“ Da müsse sich die Politik etwas überlegen. (pn)

© TT

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