Bombenanschlag auf Kärntnerin: Prozess gestartet

Unter großem Medieninteresse hat am Montag am Landesgericht Klagenfurt ein Prozess wegen Mordversuchs gegen zwei Kärntner begonnen. Den beiden ehemaligen Soldaten wird vorgeworfen, am 1. Oktober 2019 in Guttaring einen Bombenanschlag auf die Ex-Frau eines der Angeklagten verübt zu haben. Die Frau überlebte schwerst verletzt. Für den Geschworenenprozess sind vorerst zwei Tage anberaumt.

Der Ex-Mann des 27-jährigen Opfers soll gemeinsam mit seinem Komplizen die Tat von langer Hand geplant haben, führte Staatsanwältin Tanja Wohlgemuth aus. Am Tag der Tat legte der Komplize des Mannes eine selbst gebaute Paketbombe vor die Haustür der Frau und läutete, der Ex-Mann betätigte die Zündung, als das Opfer öffnete. Die Frau musste mehrmals operiert werden, sie hatte schwerste Brandverletzungen erlitten.

Der Erstangeklagte, ein 29-jähriger Kärntner, war sechs Jahre lang mit dem späteren Opfer verheiratet. Die Beziehung ging in die Brüche, da der Mann immer wieder aggressiv geworden sei - auch gegen den gemeinsamen, heute achtjährigen Sohn. Der 29-Jährige wollte sich nicht mit dem Beziehungsende abfinden, schilderte Wohlgemuth, weshalb er gemeinsam mit seinem Freund den perfiden Tatplan schmiedete. Der Ex-Mann wollte offenbar auch eine Lebensversicherung des Opfers kassieren.

Schon im Sommer 2019 bestellten die beiden Bauteile für eine Bombe im Internet, sie führten auch Probesprengungen in einem Wald durch. Am Tag der Tat holte der Erstangeklagte seinen Freund von der Kaserne ab, in der er seinen Dienst versah - beide waren als Bundesheerbedienstete tätig gewesen. Sie fuhren nach Guttaring, wo sie die Kennzeichentafeln des Autos mit Klebeband überklebten. Sie setzten Perücken auf und trennten sich - der Ex-Mann des Opfers ging in Sichtweite zur Haustür in Stellung.

Währenddessen fuhr der Zweitangeklagte zum Mehrparteienhaus, in dem die Frau mit ihren Kindern wohnte. Er legte die Bombe vor die Tür. Sie befand sich in einem Amazon-Paket, darauf hatten die beiden Täter sogar ein Etikett mit Namen und Adresse des Opfers angebracht. Der Zweitangeklagte läutete bei der Frau und rannte weg. „Das Opfer stupste das Paket vor der Tür leicht an, daraufhin bewegte sich ein Zäpfchen unter dem Etikett - wie wir heute wissen, war das der Zünder“, sagte Wohlgemuth. Der Ex-Mann hatte zu diesem Zeitpunkt den Fernauslöser betätigt.

Dass die Frau überlebt hatte, sei nur durch zwei Zufälle möglich gewesen, sagte Wohlgemuth: „Zum einen eine Verzögerung bei der Zündung und zum anderen, dass die Frau ein paar Schritte zur Seite gemacht hat.“ Sie erlitt schwere Verbrennungen an Armen, Beinen und Rücken: „40 bis 50 Prozent der Körperoberfläche waren verbrannt“, sagte Wohlgemuth. Der Erstangeklagte habe sich im Ermittlungsverfahren damit verteidigt, dass die Bombe lediglich eine „Feuerwerkskiste“ gewesen sei, er habe die Frau nur erschrecken wollen. Was ihn angeht, stellte die Staatsanwaltschaft einen Antrag auf Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher - die Gefahr sei groß, dass der Angeklagte weitere Straftaten mit schweren Folgen begeht.

Hans Gradischnig, der Verteidiger des Erstangeklagten, sagte, sein Mandant sei ein „kranker Mensch, der abgeirrte Gedanken“ gehabt und „Verfolgungs- und Verschwörungsideen“ entwickelt habe: „Alle Handlungen sind unter diesem Gesichtspunkt zu erklären“ - auch, wenn man eine solche Tat weder erklären noch entschuldigen könne. Der Mann werde sich schuldig bekennen, er habe die Sprengkraft der Bombe unterschätzt.

Gunter Huainigg, der Verteidiger des Zweitangeklagten, sagte, sein Mandant werde die volle Verantwortung übernehmen. Die Tat tue ihm irrsinnig leid und er würde sie ungeschehen machen, wenn er könnte. Huanigg beteuerte, dass sein Mandant mit dem Bau der Bombe „sehr wenig“ zu tun gehabt habe: „Er beschönigt aber nichts, was die Tat angeht.“


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