Rothensteiner-Abgang bei Casinos: Aufsichtsratschef wird gesucht

Walter Rothensteiner will nicht länger oberster Casinos-Kontrollor sein. Oppositionelle drängen erneut auf den Abgang von ÖBAG-Chef Schmid.

Es sei „Zeit für neue Leute“, konstatiert Walter Rothensteiner. Er weicht aus dem Aufsichtsrat.
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Von Karin Leitner

Wien – Ende Juni war Walter Rothensteiner in den parlamentarischen U-Ausschuss geladen. Vor den dortigen Nationalratsmandataren verteidigte der Aufsichtsratschef der Casinos Austria die Bestellung des Freiheitlichen Peter Sidlo in den Vorstand des Unternehmens. „Ich würde keine Vorstandsbestellung vornehmen, wenn ich einen diesbezüglichen Verdacht hätte“, sagte er ob des Vorhalts, es habe sich um Postenschacher der türkis-blauen Regierung gehandelt – in Verbindung mit einem Glücksspiel-Deal.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt in der Causa Casinos; Rothensteiner ist einer der Beschuldigten. Bei ihm und dem Aufsichtsratskollegen Josef Pröll, er war einst ÖVP-Minister, hat es Razzien gegeben. Zudem wird wegen des Verdachts der Untreue gegen Rothensteiner ermittelt – weil er die teuren Ablöseverträge mit zwei Ex-Casinos-Vorstandsmitgliedern unterfertigt hat. Er bestreitet alle Vorwürfe; es gilt die Unschuldsvermutung.

Nun hat Rothensteiner das kundgetan, was sich im April abgezeichnet hat – dass er von seiner Aufsichtsratsfunktion lässt. Fast 25 Jahre hat er sie innegehabt; seit 1996 steht er dem Kontrollgremium vor.

Warum geht er? Laut Krone, weil er sich die Ermittlungen und den U-Ausschuss im Alter von 67 Jahren „nicht mehr antun“ wolle. Via Kurier bestreitet der frühere RZB-Generaldirektor, dass das das Motiv ist: „Ich war ja im U-Ausschuss.“ Er nennt einen anderen Grund: „Nachdem sich die Mehrheitsverhältnisse bei den Casinos komplett verändert haben, ist es Zeit für neue Leute.“ Die tschechische Sazka-Group hat die Mehrheit bei den Casinos übernommen, weil die Novomatic aus den Casinos Austria ausgeschieden ist.

Wer Rothensteiner nachfolgt, wird bis zum Herbst entschieden; die nächste Hauptversammlung ist im September. Als Anwärter wird Siemens-Chef Wolfgang Hesoun gehandelt. Thomas Schmid muss einen Aufsichtsratspräsidenten suchen. Er ist ÖBAG-Alleinvorstand, also Chef der österreichischen Beteiligungs-AG. Sie verwaltet die Anteile des Bundes an den Casinos, der OMV, der Telekom und der Post.

Die FPÖ kritisiert Schmid angesichts von Rothensteiners Abgang erneut. Dieser dürfe nicht allein bestimmen, wer fortan an der Spitz­e des Casinos-Aufsichtsrats sei. „Er ist Beschuldigter im Casag-­Verfahren, jede Aktivität Schmids hinsichtlich dieses Unternehmens ist unter dieser Voraussetzung undenkbar“, befindet die Nationalratsabgeordnete Susanne Fürst, die auch im U-Ausschuss sitzt. „Nach allen aktuellen Ermittlungsergebnissen ist Schmid außerdem die Spinne im schwarzen Postenschacher-Netzwerk – und aus dem Grund generell ungeeignet, Personalentscheidungen für die Republik zu treffen.“

Auch die SPÖ drängt wieder auf den Rücktritt des Vertrauten von ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz. Mandatar Christoph Matznetter sagt: „Schmid ist der Erfüllungsgehilfe der ÖVP. In kürzester Zeit hat er die österreichische Kontrolle an der Casag verspielt.“ Ihm wäre es lieber gewesen, wenn Schmid und nicht Rothensteiner mitgeteilt hätte, sich zurückzuziehen.


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