„Umweltbaustelle“ des Alpenvereins: „Hackeln, bis die Blasen kommen“

Junge Menschen aus Österreich, Deutschland und Italien sind dem Ruf des Alpenvereins gefolgt, um in Tirol alpine Wege zu sanieren. Mit viel Kraft und Spucke geht in einer Woche auch was weiter.

16 Jugendliche leisten in einer Woche so viel Arbeit wie der Wegewart in einem Monat.
© OeAV

Von Thomas Parth

Obsteig –16 Freiwillige sind für eine Woche auf dem Lehnberghaus oberhalb der Gemeinde Obsteig einquartiert. Von diesem Stützpunkt aus starten sie zu ihren Touren Richtung Wankspitze. Der Anstieg weist auf dem letzten Drittel sanierungsbedürftige Wege auf. Diese „Umweltbaustelle“ des Österreichischen Alpenvereins wurde über interne Kanäle und online ausgeschrieben. „Man muss einfach schnell sein“, bestätigt Hannah Silberberg aus Deutschland. Sie ist einer jener 16 jungen Menschen zwischen 16 und 26 Jahren, die sich freiwillig für den Einsatz gemeldet haben.

„Wir sind sehr froh darüber, dass sich junge Leute für unsere Natur interessieren. Sie investieren hier ihre Zeit und Kraft, um für Sicherheit am Berg zu sorgen“, lobt BM Hermann Föger aus Obsteig. Er kann sich noch an seine Zeit als Jugendlicher erinnern, in welcher er Gäste auf den Berg geführt hat: „Eine Abkürzung durch die Latschen machst du kein zweites Mal.“ Wenn man erst im dichten Bewuchs stecken geblieben ist, hilft nur noch der Umweg zurück.

Am Lehnberghaus begrüßten BM Hermann Föger (l.) und Andi Bstieler vom ÖAV (r.) die Freiwilligen.
© Parth

„Genau hier setzen wir an, weil viele Bergunfälle auf schlechte Wege und dadurch bedingte Übermüdung zurückzuführen sind“, zeigt Andreas „Andi“ Bstieler von der Sektion Hohe Munde des ÖAV auf: „Und wenn der Weg hergerichtet ist, hebt sich der Blick des Bergwanderers und er erkennt erst die Schönheit der Natur. Bei schlechten Wegen muss er sich auf jeden Schritt konzentrieren und der Blick bleibt am Boden haften.“ Bereits seit drei Jahren bemüht sich die Sektion Hohe Munde um das Wankspitz-Gebiet. „Das hat sich schon herumgesprochen und wir haben einige Teilnehmer, die nicht zum ersten Mal mit dabei sind“, bestätigt Bstieler.

In der Früh um 8 brechen die Freiwilligen zum Arbeitsort am Berg auf. Vom Lehnberghaus auf 1500 Metern Seehöhe sind weitere 200 bis 500 Höhenmeter zu bewältigen, bevor mit Rechen, Schaufel und Spitzhacke gearbeitet wird. Das nötige Wasser wird in Kanistern, ebenso wie die Arbeitsgeräte, selbst antransportiert. „Von uns bekommen die Teilnehmer Handschuhe, von den Hüttenwirten eine Jause und von den zwei Projektleitern eine fachliche Einweisung“, weiß Bstieler. „Ein normaler Arbeitstag endet gegen 16.30 Uhr. Einige Blasen und Schwielen an den Händen können da schon dazukommen“, hat Ines Pomberger trotzdem gut lachen.

TT-ePaper gratis testen und eines von drei E-Bikes gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt mitmachen
TT ePaper
„Die einwöchige Arbeit macht die Jugendlichen zu erstklassigen Naturbotschaftern Tirols.“ – Andi Bstieler 
(ÖAV-Sektion Hohe Munde)
© Parth

Die heurigen besonderen Umstände mit den Covid-Bestimmungen setzten anfänglich ein Fragezeichen hinter die Unternehmung. „Wir fallen als Kleingruppe unter erleichterte Bestimmungen, halten aber tunlichst alle Vorschriften ein und haben selbstverständlich auch einen Covid-Beauftragten in der Gruppe“, unterstreicht der Alpenvereinsvorstand. In die Projektvorbereitung fallen auch Ansuchen bei den Behörden, falls zwangsläufig neue Wegabschnitte hinzukommen. „Bei insgesamt 143,5 Kilometern Wegenetz, das in unsere Sektion fällt, kann schon mal eine neue Serpentine dazukommen“, so Bstieler.

Und warum das Ganze, weshalb die Freiwilligkeit? „Viele haben darauf geantwortet, dass sie der Natur gerne etwas zurückgeben wollen“, attestiert Bstieler: „Das macht die Jugendlichen zu erstklassigen Naturbotschaftern Tirols, die auch gerne mit ihren Familien wiederkommen.“ Die Projektkosten von ca. 8000 bis 10.000 Euro tragen der TVB Innsbruck und der ÖAV gemeinsam.


Kommentieren


Schlagworte