Noch 2.800 Jesidinnen vermisst

Die Lage der Jesidinnen im Irak ist nach Ansicht der Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad noch immer katastrophal. Von den über 6.000 entführten und versklavten jesidischen Frauen und Kindern würden nach sechs Jahren immer noch 2.800 vermisst, sagte die einst selbst im Nordirak verschleppte 27-Jährige anlässlich des Welttages gegen Menschenhandel und Sklaverei am Donnerstag.

Sie seien in Gefangenschaft ständiger sexueller Gewalt ausgesetzt - ohne Hoffnung auf Rettung. „Die Welt hat diese Menschen aus dem Blick verloren“, so Murad. Sie ist UN-Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel. Für ihr mutiges Engagement gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe erhielt sie 2018 den Friedensnobelpreis zusammen mit dem kongolesischen Arzt Denis Mukwege.

Sie sagte, sie sehe ihre Aufgabe darin, die internationale Gemeinschaft weiter an die Verbrechen zu erinnern und Gesetze zur Bestrafung der Täter und zum Schutz der Überlebenden einzufordern. Denn Menschenhandel und Sklaverei seien nicht gebannt. „Diese Verbrechen sind noch überall auf der Welt verbreitet.“ In rund 70 Prozent der Fälle seien Frauen und Mädchen die Opfer. Diese Gewalt komme nicht nur in Krisenherden vor. Ob Täter des sogenannten Islamischen Staates Gewalt gegen Frauen als Kriegswaffe einsetzten oder Männer in Europa sich an ihnen vergingen - Frauen würden noch immer als Objekte betrachtet.

Die junge Irakerin Murad war eine von mehr als 1.000 Frauen vornehmlich jesidischen Glaubens, die Baden-Württemberg 2015/16 aufgenommen hatte. Bei einem Überfall 2014 auf ihr Heimatdorf im nordirakischen Sindschar-Gebiet wurden ihre Mutter und sechs Brüder von IS-Schergen getötet und sie verschleppt.

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