Heftige Gewitter über Österreich niedergegangen

Auf die Hitze folgten Blitze. Nach dem bisher heißesten Tag des Jahres sind am Dienstag in den Abendstunden schwere Unwetter über Österreich gezogen. Dächer wurden abgedeckt und Keller überflutet. Mehrere Straßen, in Salzburg etwa die B 159 beim Pass Lueg, mussten gesperrt werden. Die örtlichen Feuerwehren standen im Großeinsatz. Hagel richtete in der Landwirtschaft Schäden in Millionenhöhe an.

Die Unwetter am Dienstagabend haben in Niederösterreich vor allem den Bezirk St. Pölten stark getroffen. Heftige Sturmböen und intensive Niederschläge hatten im Zentralraum fast 200 Einsätze von 50 Feuerwehren zur Folge, teilte ein Sprecher mit.

Bis weit nach Mitternacht waren überflutete Keller auszupumpen, nach Hangrutschungen vermurte Straßen zu reinigen und dutzende umgestürzte Bäume zu beseitigen, die auf Strom- und Telefonleitungen, aber auch auf Schienen von Bahnstrecken gekracht waren. Dachziegel von Häusern hatten sich ebenfalls gelöst.

Die FF St. Pölten-St. Georgen berichtete, dass innerhalb kürzester Zeit 60 bis 80 Liter pro Quadratmeter niedergegangen seien. „Diese Wassermassen brachten das Kanalsystem an seine Grenzen.“ Keller, u.a. auch in einem Industriebetrieb, wurden ebenso überflutet wie ein Pferdehof.

„Es ist gestern Abend ziemlich rund gegangen“, fasste Gerald Schimpf, Sprecher von der Wiener Berufsfeuerwehr, am Mittwoch die Einsätze zusammen. Knapp 200 Einsätze wurden seit Dienstagabend absolviert, die den Gewittern zugeordnet wurden. Davon betraf fast ein Viertel den Bezirk Döbling. Die meisten Einsätze waren „Unwetter-typisch“: Umgestürzte Bäume, Wassereintritt über Dächer, oder auszupumpende Räume. „Es gab zum Glück kaum Einsätze mit Personengefährdung“, betonte Schimpf. Bis 6.00 Uhr waren die Arbeiten abgeschlossen.

Heftige Unwetter sind in der Nacht auf Mittwoch vor allem über den obersteirischen Bezirken auch in der West- und Südsteiermark niedergegangen. In den Bezirken Liezen, Leoben, Bruck-Mürzzuschlag, Murtal und Hartberg-Fürstenfeld wurden Keller ausgepumpt sowie Bäume von Straßen entfernt, wie der Landesfeuerwehrverband mitteilte. Gesamt waren rund 60 Feuerwehreinsätze zu bewältigen.

In Liezen-Friedau schlug ein Blitz in ein Haus ein, das dadurch ausgelöste Feuer war aber rasch unter Kontrolle. In Bad Mitterndorf wurde ein Pkw in eine Bahnunterführung geschwemmt, es befand sich aber niemand im Wagen. Die Feuerwehr barg das Wrack.

Die Sturm- und Gewitterfront sorgte auch in Salzburg für eine Vielzahl vor allem kleinerer Schäden. Am stärksten betroffen waren der Pinzgau, der Pongau und der Tennengau. Wie die Salzburg AG berichtete, waren zeitweise bis zu 4.000 Haushalte ohne Strom. Personen kamen nach letztem Wissenstand nicht zu Schaden.

Am Pass Lueg wurde die Salzachtal Straße (B159) und der dazugehörende Radweg von umgefallenen Bäumen und Geröll an mehreren Stellen blockiert. Weil die Aufräumarbeiten bis zur Dämmerung nicht abgeschlossen werden, wurde die Verbindung am Abend gesperrt. Wie Hermann Brückler von der Straßenmeisterei Tennengau am Mittwoch zur APA sagte, dürfte die Sperre noch bis 17.00 Uhr andauern.

Allein in Oberösterreich haben die Unwetter in der Landwirtschaft Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Laut ersten Erhebungen der Hagelversicherung dürfte dort ein Schaden von rund 2,5 Mio. Euro entstanden sein.

Unwetter mit Starkregen und Hagelschlag machten am Dienstagabend in Vorarlberg 15 Feuerwehr-Einsätze notwendig gemacht. In der Mehrzahl der Fälle mussten unter Wasser stehende Keller ausgepumpt werden, hieß es auf APA-Anfrage bei der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle in Feldkirch.

Der Dienstag war der bisher heißeste Tag des Jahres. 37,2 Grad wurden an der ZAMG-Wetterstation Wien Innere-Stadt gemessen. Dahinter lagen Innsbruck Universität, Hohenau an der March (NÖ) und Wien Donaufeld mit 36,3 Grad. An rund 200 der insgesamt 280 Wetterstationen der ZAMG wurden mehr als 30 Grad gemessen, berichtete die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.

Der Dienstag war auch der bisher stärkste Blitz-Tag des Jahres 2020. Österreichs Blitzortungssystem ALDIS (Austrian Lightning Detection and Information System) registrierte 5.700 Wolke-Erde-Blitze. Bisher war der 1. Juli der stärkste Tag mit 5.500 Blitzen. „Allerdings muss man sagen, wir haben in den vergangenen Jahren mitunter 20.000 Blitze am Tag gehabt“, relativierte Wolfgang Schulz, technischer Leiter bei ALDIS.


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