Duell im Glühlampenlicht: „Edison – Ein Leben voller Licht"

Der Film „Edison – Ein Leben voller Licht“ von Alfonso Gomez-Rejon erzählt mit Spannung vom Elektrifizierungswettstreit zweier Alphamänner.

Unter Strom: Thomas Alva Edison (Benedict Cumberbatch) im Erfinder-Wettlauf gegen die Zeit.
© Wenzel

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – „Es werde Licht“ heißt es End­e des vorletzten Jahrhunderts in amerikanischen Städten. Die Glühbirne ist erfunden. Ein gewisser Thomas Alva Edison wird mit ihr zum Erfinderkönig einer jungen Industrienation. Doch er ist auch ein gewiefter Businessman. Ganz Amerika soll durch die „Edison Illuminating Compan­y“ mit seinem Licht und seinem Gleichstrom versorgt werden. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Der Stromkrieg um die Vorherrschaft wird „The Current War“ genannt, so der Originaltitel des Films. Dabei geht es um eine banale technische Frage, die Fans australischer Rockmusik noch am besten nachvollziehen können: AC/DC, als­o Wechselstrom oder Gleichstrom?

Was nach dem Stoff einer Physikstunde zum richtigen Elektrifizierungs-Standard klingt, wächst sich zu einem Duell zweie­r Alphamänner aus, das in der Weltausstellung 1892 gipfelt. Dabei wird durchaus auch mit medialen Schmutzkübeln gekämpft, bis hin zu Edisons Erfindung des elektrischen Stuhls, der die Gefährlichkeit des Wechselstroms zeigen soll. Die Geschichte über diese historische Episode lässt sich also – Achtung! – mit ordentlich Spannung aufladen, wie Regisseur Alfonso Gomez-Rejon beweist. Edisons Gegenspieler ist George Westinghouse. Er wird viel später einmal die „Edison-Medaille“ für seine Errungenschaften bei der Elektrifizierung verliehen bekommen, wie der Film im Abspann genüsslich erklärt. Ansonsten hält sich „Edison – Ein Leben voller Licht“ jedoch erfreulich zurück mit langwierigen Erläuterungen.

📽️ Video | Trailer zum Film

Stattdessen inszeniert Gomez-Rejon sein Edison-Biopic als frenetischen, aber nicht hektischen Wettlauf gegen die Zeit. Das Motto liefert Mary Edison (Tuppence Middleton), eine der beiden allzu kleinen weiblichen Figuren dieser doch sehr männerlastigen historischen Geschichte: „Er war ein schneidiger Erfinder und ich arbeitete für ihn. Ich habe versucht herauszufinden, wie ich sein Gehirn zur Ruh­e bringen kann, aber es arbeitet unaufhörlich, darüber hat er keine Kontrolle. Ich kann ihm nur helfen, seine Mitte zu finden.“

Hochkarätig besetzt bis in die letzte Nebenrolle geben vor allem Benedict Cumberbatch als ambivalentes Genie Edison und Michael Shannon als Backenbart-bepackter Westinghouse dem Duell Feuer. Edison wirkt dabei mit seiner Arroganz fast wie eine Variante von Cumberbatchs „Sherlock Holmes“. Drumherum spielen „Spiderman“ Tom Holland als Sekretär und Katherine Waterstone als „Lady Macbeth“ Mrs. Westinghouse auf. Als Dritter im Erfinderbunde kommt dem europäischen Immigranten Nikola Tesla (Nicholas Hoult) eine interessante Rolle als geschäftlich unbegabter „Futurist“ zu.

Nebenbei erzählt „Edison – Ein Leben voller Licht“ auch von den USA als aufstrebende Weltmacht, just zu einer Zeit, als es politisch bergab geht – der Film feierte bereits 2017 Premiere. Auch im Film steht hinter der Realwirtschaft Investment-Mogul J.P. Morgan. Zwar findet sich die Innovationssuche von Edisons Team-Laboratorium heute etwa in Googles Moonshot-Laboratorium wieder; der Vollblut-Kapitalist Edison selbst entspricht aber eher den zu Genies verklärten manischen Geschäftsmännern Steve Jobs oder Elon Musk.

Nach dem Current War machte Ediso­n übrigens eine Erfindung namens „Kinetoscope“, samt Kamera, perforiertem 35-mm-Film und dem ersten Filmstudio Amerikas – eine Filmguckkasten-Attraktion für 25 Cent pro Ticket. Kollektive Kino-Projektion hielt Edison für nicht profitabel.


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