Probebetrieb für Corona-Ampelsystem ab Mitte August

Mitte August soll der Probebetrieb des Ampelsystems beginnen, das die Corona-Situation regional besser darstellen soll. Indikatoren sind die Fallzahlen, Spitalskapazitäten, Clusteranalysen und der Anteil an positiven Tests. Details sind freilich noch offen. Die entsprechende Kommission startet ihre Arbeit nächste Woche, kündigte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Mittwoch an.

Die ersten zwei Schritte zur Ampel - die Indikatoren und die Corona-Kommission - wurden vom Ministerrat am Mittwoch beschlossen, erklärte Anschober. Die Ampel wird vier Farben haben: Grün für ein niedriges Risiko, Gelb für ein mittleres, Orange für ein hohes und Rot für ein sehr hohes Risiko. Nach diesen Farben soll die Situation in Österreich, den Bundesländern und auch in den Bezirken bewertet werden - auch in der Bundeshauptstadt Wien übrigens.

Herangezogen werden dafür vier Indikatoren: Die siebentägige Entwicklung der Fallzahlen, die Kapazitäten in Spitälern, ob man die Infektionen erklären kann (Clusteranalysen) und wie hoch der Anteil an positiven Ergebnissen bei den Tests ist. Für die Indikatoren soll es Schwellenwerte geben.

Wie die Ampel gestellt wird und welche Maßnahmen deshalb empfohlen werden, das soll in den Händen einer Kommission liegen. Darin sollen etwa Vertreter des Krisenstabs, des Bundeskanzleramts, des Gesundheitsministeriums, Virologen und Public Health-Experten sitzen, aber auch ein Vertreter pro Bundesland. Die Kommission soll eine wissenschaftlich fundierte und transparente Vorarbeit für die Politik leisten, erklärte Anschober.

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Die Stadt Wien sieht das geplante Corona-Ampelsystem positiv. Allerdings spricht man sich weiter gegen eine Einfärbung einzelner Bezirke im Wiener Stadtgebiet aus, hieß es gegenüber der APA aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Eine solche mache keinen Sinn. Das Nein zur bezirksweisen Farbgebung begründet man im Rathaus einmal mehr damit, dass - anders als in ländlichen Gebieten - Bezirke in Wien viel enger aneinander liegen und sich viele Stadtbewohner ständig zwischen den einzelnen Bezirken bewegen.

Unterdessen ist die Zahl der Neuinfektionen laut Innenministerium österreichweit auf 173 gestiegen, wobei Wien mit 81 fast die Hälfte der Fälle verzeichnete. Bisher gab es 20.850 positive Testergebnisse. Mit Stand Mittwochvormittag sind 716 Personen an den Folgen des Coronavirus verstorben und 18.528 genesen. 94 Personen befinden sich in Spitalsbehandlung, davon 20 auf Intensivstationen.

Die Corona-Fälle im Zusammenhang mit dem Tourismusort St. Wolfgang im Bezirk Gmunden haben sich weiter erhöht. Die Zahl stieg von 62 auf 68, teilte das Land Oberösterreich mit. Die nun festgestellten zusätzlichen sechs Fälle ergaben sich bei den laufenden Erhebungen des Kontaktpersonenmanagements, hieß es vom Land Oberösterreich. Zu den bisher bekannten Betrieben am Wolfgangsee kam durch das Kontaktpersonenmanagement nun ein weiterer hinzu.

Zudem sind im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen (EAST Ost) im Bezirk Baden neue Coronavirus-Fälle verzeichnet worden. Sechs Infektionen wurden am Mittwoch registriert, ein Betretungsverbot, wie es in diesem Jahr bereits zweimal erlassen worden war, ist nach Angaben des Landes Niederösterreich jedoch nicht erforderlich.

Die Lockerungen in Sachen Coronavirus haben 56 Prozent der Österreicher als zu früh empfunden. Vor allem die Generation 60+ vertritt diese Meinung (61 Prozent). Das ist das Ergebnis einer „Marketagent“-Umfrage (3.065 Befragte in Österreich, der Schweiz und Deutschland). Hierzulande sind 55 Prozent mit der Arbeit der Regierung zufrieden, 58 in Deutschland sowie 64 Prozent in der Schweiz.

Die Grenzöffnung für Urlaubsreisen hält weniger als ein Drittel der Österreicher für eine gute Entscheidung. In der Schweiz und Deutschland ist der Anteil der Befürworter um etwa zehn Prozent höher. 31,5 Prozent der Österreicher tragen den Mund-Nasen-Schutz immer oder häufig auch dort, wo es nicht mehr vorgeschrieben ist.

Gut acht von zehn rot-weiß-roten Befragten rechnen für Herbst oder Winter mit einer zweiten Corona-Welle. Einen erneuten Lockdown halten allerdings nur noch knapp 40 Prozent für wahrscheinlich. Unsere deutschen Nachbarn halten dies mehrheitlich (54 Prozent) für ein realistisches Szenario. Mehr als die Hälfte der Österreicher glaubt an einen Durchbruch bei Medikation sowie Impfstoff im Laufe des Jahres 2021, knapp jeder Fünfte erwartet dies jedoch erst 2022.

Nicht ganz ein Drittel hat in Österreich bisher persönlich finanzielle oder wirtschaftliche Einbußen erlitten. Dass im Herbst ein regulärer Schulbetrieb wieder möglich sein wird, daran glauben hierzulande etwas mehr als 55 Prozent.


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