Infantino in Erklärungsnot: Strafverfahren gegen FIFA-Chef

FIFA-Präsident Gianni Infantino gerät in der Schweizer Justiz-Affäre immer stärker unter Druck und steht nun auch selbst im Visier der Ermittler. Die Schweizer Staatsanwaltschaft eröffnete am Donnerstag ein Strafverfahren gegen den Chef des Fußball-Weltverbandes. In dem Verfahren geht es um geheime Treffen zwischen Infantino und dem Leiter der Bundesanwaltschaft, Michael Lauber.

Das teilte am Donnerstag die Aufsichtsbehörde in Bern mit. Die Vorwürfe gegen Infantino lauten Anstiftung zum Amtsmissbrauch, Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses und Anstiftung zur Begünstigung. Angeklagt wird auch ein ebenfalls bei den Treffen anwesender Oberstaatsanwalt.

Infantino wies die Vorwürfe zurück. „Die Treffen mit dem Bundesanwalt sollten zur lückenlosen Aufklärung beitragen“, sagte der Schweizer in einer FIFA-Mitteilung. „Zum damaligen Zeitpunkt waren über zwanzig Verfahren gegen ehemalige FIFA-Mitglieder anhängig. Dieser wesentlichen Aufklärungspflicht auch im Sinne der FIFA bin ich nachgekommen und werde dies auch weiter tun. Dieses war immer mein Anspruch und davon lasse ich mich nicht abbringen.“

Die FIFA und Infantino kündigten an, „umfassend“ mit den Behörden zu kooperieren. Dennoch könnte Infantino, der sich seit Amtsantritt im Februar 2016 als Erneuerer und Reformer präsentierte, Ungemach drohen. Er steht gut ein Jahr nach seiner Wiederwahl in Erklärungsnot. Die geheimen Treffen fanden 2016 und 2017 statt, während die Bundesanwaltschaft gegen die FIFA wegen Korruption ermittelte. Bei den Ermittlungen geht es u.a. um die Vergaben der Fußball-WM 2018 an Russland und 2022 an Katar.

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Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter hat gegen Infantino interne Ermittlungen und Konsequenzen gefordert. „Der Fall ist klar. Jetzt muss auch die FIFA-Ethikkommission ein Verfahren gegen Gianni Infantino einleiten und ihn suspendieren“, sagte Blatter über seinen Landsmann am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Auch gegen Lauber soll ein Strafverfahren eröffnet werden. Er ist bis Ende Jänner 2021 im Amt und deshalb vor Strafverfolgung geschützt. Deshalb beantragte der eigens eingesetzte außerordentliche Staatsanwalt beim Parlament die Aufhebung seiner Immunität. Lauber hat indes für Ende Jänner 2021 seinen Rücktritt eingereicht, nachdem die Aufsichtsbehörde ihn wegen der Treffen gerügt und ihm eine Amtspflichtverpflichtung und unwahre Aussagen vorgeworfen hatte. Er wies die Anschuldigungen zurück.


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