Corona-Stabschef Rizzoli: „100 Prozent Sicherheit gibt es nie“

Geht es nach Tirols oberstem Corona-Stabschef Elmar Rizzoli, wäre es gut, wenn es mehr freiwillige Registrierungen von Gästen in der Gastro gäbe. Das würde Wirbel um öffentliche Aufrufe vermeiden.

Auch wenn es im Freien noch relativ einfach ist: Der Corona-Einsatzstab wird bei Märkten Besucherströme genauer unter die Lupe nehmen, teils lenken – dazu braucht es Personal.
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Von Liane Pircher

Innsbruck –Auch wenn zuletzt die Zahl der Corona-­Infizierten um 16 nach unten korrigiert wurde, gab es in jüngster Zeit gehäuft öffentliche Aufrufe der Tiroler Gesundheitsbehörde: Im Sinn­e des Contact-Tracing wurde gewarnt, wo man zu welcher Zeit Kontakt mit einer bereits positiv getesteten Person gehabt haben könnte – all­e Fälle waren in Gastro-­Betrieben, in einem Zirkus oder bei Fahrten mit Öffis.

Immer dann, wenn es zu solchen Aufrufen kommt, laufen die Telefone bei 1450 besonders heiß. Viele sind verunsichert. Eine Situation, die auch Wirten unangenehm ist, weil sie eine Rufschädigung ihres Betriebes befürchten. Für Elmar Rizzoli, Chef des Einsatzstabes Coron­a, wäre dies vermeidbar: „Wir können es nicht vorschreiben, aber wir empfehlen es sehr, dass auch Wirte ihre Gäst­e bereits bei Eintritt ins Lokal registrieren. Wenn wir Daten von den Gästen haben, braucht es dann in Folge auch keinen öffentlichen Aufruf.“

Ein Akt, der nur freiwillig gemacht werden kann, nicht zuletzt auch, weil es um Datenschutz geht. Ursprünglich war in Österreich (Deutschland hat es verpflichtend juristisch geregelt) ein­e Registrierungspflicht in Lokalen geplant – die Regierung zog den Vorschlag in letzter Sekunde zurück. Ein Teil der Wirte macht es dennoch. Das Prozedere ist einfach: Der Gast geht ins Lokal oder ins Restaurant – und bereits an der Tür wird er vom Wirt oder einem der Mitarbeiter empfangen. Hier oder schon bei der Reservierung werden die Daten erhoben. Nicht nur in Deutschland müssen diese vom Betreiber vier Wochen nach Erhebung gelöscht werden.

Besucherströme lenken

Dass es vor allem im Zusammenhang mit Lokalen zu öffentlichen Aufrufen kommt, hat damit zu tun, dass ein Contact-Tracing ohne Aufruf fast unmöglich ist. Generell, so Rizzol­i, hänge es immer von mehreren Umständen ab, wie plötzlich aufpoppende Fälle zu bewerten und in Folge zu behandeln sind.

Bei Rizzoli laufen alle Fäden in Sachen Corona zusammen, er ist quas­i mit seinem Team die zentrale Meldesammel­stelle. Zahlen alleine würden ihn noch nicht nervös machen. Dass Rizzoli als Kommandant für die Stadt Innsbruck plus das restliche Land verantwortlich ist, beißt sich nicht in der Arbeit. Schwieriger ist da die Kombination aus täglichem Abarbeiten der Lag­e und Vorausplanen. Wie in der TT berichtet, dürften heuer Veranstaltungen wie die Christkindlmärkt­e anders ablaufen als gewohnt – zuletzt wurde ein mögliches Ampelsystem erwähnt. Wie sich Besucherströme verhalten, analysiert man erstmals beim Fischmarkt (ab 7. August) mittels Detektoren. Offen ist noch, ob man es in Zukunft schafft, Besucherströme so zu lenken, dass genug Abständ­e möglich sind.

Sollten auch heuer wie jedes Jahr viele Italiener als Tagestouristen nach Innsbruck kommen, könnte es Zeit­slots von drei Stunden für einen Christkindlmarkt-Besuch geben. Dazu wird es Personal brauchen. Man versuche mit gezieltem Management so viel wie möglich an Sicherheit zu schaffen. „Trotzdem“, weiß auch Rizzoli, „100 Sicherheit hat man nie.“ Corona bleibt ein unangenehmer Gegner – wahrscheinlich für länger.


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