Großangriff auf Gefängnis in Afghanistan während Feuerpause

  • Artikel
  • Diskussion

Am letzten Tag einer relativ stabilen Feuerpause in Afghanistan haben Bewaffnete einen Großangriff auf ein Gefängnis im Osten des Landes verübt. Die Angreifer zündeten eine Autobombe und eröffneten das Feuer auf Wachmänner der Haftanstalt in Jalalabad, teilte ein Regierungssprecher der Provinz Nangarhar am Sonntag mit. Mindestens ein Mensch sei getötet worden, 18 weitere Menschen seien verletzt.

Die Kämpfe dauerten noch an, sagte der Behördensprecher weiter. Die Taliban erklärten, sie seien für die Attacke nicht verantwortlich.

Anlässlich des islamischen Opferfestes Eid al-Adha hatten die afghanische Regierung und die radikalislamischen Taliban eine dreitägige Feuerpause vereinbart, die bisher gehalten zu haben schien. Sowohl Präsident Ashraf Ghani als auch die Taliban hatten im Vorfeld signalisiert, dass womöglich nach dem Opferfest Friedensgespräche beginnen könnten, das noch bis einschließlich Montag dauert.

Zudem hatte die afghanische Regierung seit Beginn des Eid al-Adha am Freitag weitere 317 Taliban aus der Gefangenschaft entlassen. Damit seien insgesamt 4.917 Kämpfer der militant-islamistischen Aufständischen seit ihrem Friedensabkommen mit den USA vom Februar freigekommen, teilte der Nationale Sicherheitsrat am Sonntag auf Twitter mit.

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Die 317 entlassenen Gefangenen gehören zu den zusätzlichen 500 Taliban, die Ghani als Geste des guten Willens freilassen will. Er hatte dies am Freitag angekündigt, um damit die dreitägige Feuerpause zu würdigen, die die Taliban für die Dauer des Opferfestes verkündet hatten.

Der Gefangenenaustausch war als Vorbedingung für innerafghanische Friedensgespräche in ein Abkommen aufgenommen worden, das die USA mit den Taliban am 29. Februar in Doha (Katar) unterzeichnet hatten. Die afghanische Regierung in Kabul war nicht daran beteiligt worden, weil die Taliban damals direkte Gespräche abgelehnt hatten. Bis zu 5.000 inhaftierte Taliban sollten im Tausch gegen 1.000 von den Rebellen festgehaltene Gefangene freikommen. Die Taliban sagen, sie hätten wie vereinbart alle 1.000 Gefangenen freigelassen. Der Streit um den Gefangenentausch hat die geplanten innerafghanischen Friedensgespräche bisher verzögert.


Kommentieren


Schlagworte